Statisitik

Berliner Wirtschaft holt auf

Wachstum mit 2,2 Prozent stärker als im Bund. 40.000 zusätzliche Arbeitskräfte in der Stadt

Die Wirtschaft in der Hauptstadt hat sich im vergangenen Jahr 2014 deutlich besser entwickelt als im Rest des Landes. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs nach Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg in Berlin um 2,2 Prozent. Deutschland insgesamt legte 2014 um 1,6 Prozent zu.

Im Bundesländervergleich schneidet nur Baden-Württemberg mit einem Plus von 2,4 Prozent besser ab als Berlin. In Brandenburg wuchs die Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent deutlich weniger dynamisch.

Motor des Wachstums in Berlin ist die Bauwirtschaft, die um 9,2 Prozent zulegte. Der Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes Axel Wunschel zeichnete dennoch ein zwiespältiges Bild. „Der Wohnungsbau läuft gut. Aber im Tiefbau haben wir Probleme“, sagte Wunschel der Berliner Morgenpost. Er erklärt die Entwicklung auch mit den beiden vergangenen Wintern, die sehr mild waren. So flössen auch „Vorzieheffekte“ in die Rechnung von 2014 ein, weil Aufträge schneller als erwartet abgearbeitet werden konnten.

Über dem Durchschnitt aller Wirtschaftsbereiche legten im vergangenen Jahr mit 3,7 Prozent auch die Branchen Handel, Gastronomie, Information und Kommunikation zu. Die Industrie blieb jedoch mit einem Zuwachs von 1,2 Prozent zurück. Insgesamt ist die Wachstumsrate für 2014 jedoch überraschend. Noch für das erste Halbjahr hatten die Statistiker nur ein Wachstum von 1,2 Prozent errechnet und Berlins Entwicklung unter dem Bund angesiedelt.

Ein wesentlicher Faktor für die positive Entwicklung waren auch die 40.000 zusätzlichen Arbeitskräfte in der Stadt. Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), erkennt im Boom am Bau einen Beleg dafür, „dass in der Stadt bereits der 13. Bezirk im Entstehen“ sei. „Berlin ist nicht nur für Touristen ungebrochen attraktiv, sondern auch für viele Menschen, die in der Hauptstadt leben und arbeiten wollen“, sagte Amsinck. Er mahnte jedoch den Senat, weiter in die Infrastruktur für eine wachsende Stadt zu investieren. Die Regierung müsse Teile seines Investitionsfonds aus den Haushaltsüberschüssen des Vorjahres auch in die Verkehrsinfrastruktur stecken. „Hier liegt ein Investitionsstau von rund 500 Millionen Euro. Das muss angepackt werden“, so der UVB-Hauptgeschäftsführer.

Aus Arbeitnehmersicht setzte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Christian Hoßbach, einen anderen Schwerpunkt. Bei aller Freude über die Entwicklung dürfe nicht übersehen werden, dass die Wirtschaftsleistung je Einwohner nach wie vor acht Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt liege. „Dieser wichtige Kennwert hat sich 2014 sogar leicht verschlechtert“, sagte Hoßbach. Das deute darauf hin, dass in Berlin immer noch viel weniger Menschen einen Job hätten als anderswo in Deutschland.

Auch die Produktivität hinkt in Berlin noch hinterher. Laut Statistik erwirtschaftete jeder der 1,805 Millionen Erwerbstätigen im Durchschnitt knapp 65.000 Euro, das sind 95,3 Prozent des Bundesdurchschnitts. Der DGB-Vizevorsitzende Hoßbach forderte die Berliner Wirtschaftspolitik auf, auch die Einkommen der Arbeitnehmer zu beachten. „Diese sind im Gegensatz zur Wirtschaftsleistung nur unterdurchschnittlich gestiegen“, sagte Hoßbach.

Die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) zeigte sich optimistisch. „Die Berliner Wirtschaft wird weiter boomen“, erklärte sie. Das zeigten die Zahlen aus den ersten Monaten dieses Jahres deutlich. Die Umsätze bei Industrie und Bau stiegen weiter, der Tourismus liege über dem Stand des Vorjahres. „Die Berliner Wirtschaft wird auch in diesem Jahr zum Jobmotor“, sagte die Wirtschaftssenatorin voraus.

Aus diesen Indikatoren ergibt sich aus Sicht von Wirtschaftsexperten eine neue Prognose für das Jahr 2015: Yzer korrigierte die Prognose von bisher 1,7 auf 2,2 Prozent nach oben. Für ganz Deutschland rechnet die Bundesregierung mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent.