Prozess

Millionenstreit um Dussmann-Erbe

Catherine von Fürstenberg-Dussmann und ihre Tochter ziehen gegeneinander vor Gericht

Ein Strandhaus, ein Schloss, ein Weltkonzern: Die Erben von Peter Dussmann streiten über den Nachlass des 2013 verstorbenen Berliner Unternehmers. Die Tochter wirft der Mutter vor, sich des Unternehmens bemächtigt zu haben. Es geht um die Deutungshoheit dessen, was Peter Dussmann für die Zukunft des Konzerns wollte, den er aufgebaut hat, und darum, wer dort das Sagen hat. Und es geht um mehrere Hundert Millionen Euro. Neben dem Dussmann-Konzern mit gut zwei Milliarden Euro Jahresumsatz existiert auch noch ein umfangreiches Privatvermögen, darunter ein Strandhaus in Malibu im Wert von rund zwölf Millionen Dollar und ein Schloss in Südfrankreich.

Auf der einen Seite steht Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Witwe des Unternehmers und derzeit Vorsitzende des Rates jener Stiftung, die bei Dussmann das Sagen hat, vertreten durch die Kanzlei Hengeler Mueller. Auf der anderen Seite steht Angela Göthert, einzige Tochter des Ehepaars Dussmann, vertreten durch die Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek. Keine der beiden Seiten will sich zu dem Verfahren äußern.

Peter Dussmann hatte sich 1999 nach einem ersten Schlaganfall aus dem operativen Geschäft des Unternehmens zurückgezogen, 2008 nach seinem zweiten Schlaganfall musste er betreut und gepflegt werden. Es gab einen gerichtlich bestellten Betreuer. Entscheidend für das Verfahren ist jetzt, wie krank oder vielmehr: noch gesund Dussmann 2010 war, denn damals wurde ein Testament aufgesetzt, dass seiner Frau 75 Prozent und seiner Tochter 25 Prozent des Erbes im Falle seines Todes zusprach. Es sollte ein Testament von 1981 ersetzen, das Dussmann kurz vor der Geburt seiner Tochter aufgesetzt hatte und in dem seine Frau und seine Tochter jeweils zur Hälfte erbten.

Dussmanns Frau war bereits 2009 an die Spitze des Aufsichtsrats von Dussmann gerückt und hatte nach 2010 die Struktur des Unternehmens geändert: Seither steuert eine Stiftung die Geschäfte, die Dussmann-Erben sind am Unternehmen beteiligt – derzeit im Verhältnis 75 zu 25 –, haben aber kein Mitspracherecht. Die tägliche Arbeit liegt in der Hand des Stiftungsvorstands, kontrolliert wird er vom Stiftungsrat, dem Catherine von Fürstenberg-Dussmann vorsteht, die damit faktisch die Macht hat – aus Sicht von Dussmanns Witwe alles in seinem Sinne.

Die Seite der Tochter sieht das anders: Demnach hat Peter Dussmann nicht gewollt, dass seine Frau eine führende Position im Unternehmen einnimmt. Und der Gesundheitszustand Dussmanns habe es 2010 auch nicht mehr zugelassen, ein neues Testament aufzusetzen. Göthert versucht nun vor Gericht, mindestens die Hälfte des Erbes einzuklagen. Die Anwälte versuchen auch nachzuweisen, dass sich Dussmanns Witwe nicht richtig verhalten hat. In der Folge könnte sie ihren gesamten Erbanteil verlieren. Die Tochter will außerdem die Struktur des Unternehmens wieder zurückdrehen: Statt der Stiftung soll wieder eine GmbH den Konzern steuern, in der die Erben das Sagen haben. Sie selbst, so heißt es, strebe keinen Posten im Konzern an und wolle auch den Vorstand, so wie er bisher besetzt sei, weiterarbeiten lassen.

Beide Seiten haben bereits 2014 geklagt. Einen Termin für das Verfahren vor dem Landgericht gibt es noch nicht. Dort werden aber sicherlich unangenehme gesundheitliche Einzelheiten aus den letzten Jahren Peter Dussmanns diskutiert werden müssen, die bisher nur in den Akten zu finden sind.

Den meisten Berlinern fällt beim Namen Dussmann vor allem das Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße mit seinen langen Öffnungszeiten ein. Der Konzern mit rund 61.000 Beschäftigten ist allerdings auch in der Pflege tätig, reinigt und managt Gebäude, betreibt Kantinen und Kindergärten in 21 Ländern, unter anderem in Italien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und China.

Völlig unstrittig ist übrigens bei beiden Seiten, dass das Unternehmen gut läuft. In den vergangenen Jahren wuchs der Konzern, verkündete fast jedes Jahr ein Rekordjahr. Und auch 2014 lief es nach Informationen der Berliner Morgenpost sehr gut. Die Delle von 2013, als es im Nahen Osten nicht ganz so rund lief, ist ausgebügelt. Der Umsatz stieg über zwei Milliarden Euro, auch die anderen Zahlen haben sich offenbar verbessert. Die konkreten Ergebnisse will das Unternehmen am 21. Mai vorlegen.

„Wir werden weiter unseren erfolgreichen Kurs fortsetzen“, sagte Konzernsprecher Jan Flaskamp. Der Erbstreit sei eine private Angelegenheit.