Architektur

Der kurze Traum vom Traumschloss

Nicht jeder kann in einem Schloss wohnen.

Das ist erstens eine Binsenweisheit und zweitens bittere Realität für einen britischen Bauern. 2001 hatte sich Robert Fidler seinen großen Traum erfüllt und illegal ein Schloss im „Tudor-Stil“ errichtet, etwa 30 Kilometer südlich von London. Der bauernschlaue Plan: Fidler wollte von einer Gesetzeslücke profitieren, wonach illegale Bauten vier Jahre nach deren Errichtung legalisiert werden. Der Plan hätte aufgehen können, Fidler versteckte sein Traumschloss exakt vier Jahre lang hinter meterhoch aufgetürmten Heuballen – die Behörden blieben zunächst ahnungslos. Das änderte sich schlagartig, als Fidler nach exakt vier Jahren seinen Prachtbau erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Das Schloss müsse sofort verschwinden, hieß es. Die seltsame Begründung: Fidler habe bis zuletzt daran gewerkelt und damit gegen Gesetze verstoßen. Der Bauer selbst sagt, er habe nie etwas Verbotenes getan, seiner Familie einfach „nur ein Haus gebaut“. Doch die Beamten blieben gnadenlos. Gegen den Abrissbescheid kämpfte sich Fidler tapfer durch die Instanzen, doch vor ein paar Wochen hat er die Schlacht nun endgültig verloren. Innerhalb von 90 Tagen muss das Schloss weg – sonst wandert Fidler ins Gefängnis. „Es fällt mir sehr schwer, etwas zu zerstören, auf das ich so stolz bin“, zitiert ihn der „Telegraph“. „Das ist als ob man einen Rembrandt zerreißt.“