Karaseks Woche

Fußball und Vornamen

Über die Folgen einer gewonnenen WM

Diese Woche ging ein Erdbeben durch die deutsche Fußballlandschaft, das zusätzlich den Süden und den Norden Deutschlands spaltete. In Bayern unterlag der FC Bayern dem FC Porto in Porto 1:3. Bis dato eine Katastrophe. Die wäre noch zu ertragen gewesen, aber der Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt trennte sich nach fast 40 Jahren vom FC Bayern, der Mannschaft also, der er noch jeden müden Knochen gesund gebogen hatte.

Im Westen, wo man die Bayern mit eher gemischten Gefühlen betrachtet, war es der Weggang von Jürgen Klopp als Trainer. Das war, katastrophisch gesprochen, ein echter Klop(p)s, ein Schlag ins Kontor, denn Klopp hatte die Mannschaft zweimal zum Meister, einmal zum Pokalsieger und einmal ins Champions-League-Finale grandios geführt. Nur uns in Hamburg trifft es noch schlimmer. Hier heißt es für den HSV, falls nicht noch ein meteorologisches Wunder geschieht, „Land unter“.

Da tröstet es schon sehr, dass der Fußball auch positive Seiten hat. Die „Süddeutsche“ bringt es auf die lapidare Zeile: „Im Sommer 2014 gewann Deutschland das Finale von Rio. Neun Monate später sind die Geburtsstationen überfüllt.“ Der Ball ist rund, und nicht mehr der Storch bringt die Kinder, sondern Mario Götze. Denn genau ein Dreivierteljahr, seit Götze jener als „goldener Schuss“ gerühmte Treffer gelang, der Deutschland zum Weltmeister machte, stürmen die deutschen Frauen in die deutschen Kreißsäle. Die Namen der Neugeborenen lassen tief blicken. Julian heißen die jungen Helden, oder Lukas, nach den schussstarken Spielern Draxler und Podolski.

So ist der Fußball, besonders der „Wir sind Weltmeister“-Fußball vereinte schon vor der Wiedervereinigung Ost und West. Auch als es die DDR noch gab, waren Sachsen, Thüringer und Brandenburger mit uns Weltmeister. Dass jetzt der Fußball durch einen kräftigen Schuss auch die Alterspyramide wieder vom Kopf auf die Füße schießt, ist ein schöner Nebeneffekt. Nach gewonnener WM gilt der Satz von Norbert Blüm: „Die Rente ist sicher“ wieder. Ein englischer Trainer hatte einst resümiert: „Der Ball ist rund, und das Spiel ist zu Ende, wenn die Deutschen gewonnen haben.“ Vielleicht stehen die Briten deshalb für Klopp Schlange. Er soll einen britischen Klub trainieren. Dahin könnte er auch Dr. Wohlfahrt mitnehmen.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost