Geschäftsbericht

Sauberer Strom: Berliner Stadtgüter erwirtschaften Rekordgewinn

Gesellschaft erzielt 7,3 Millionen Euro Überschuss. Schon 24 Windräder produzieren Energie

Die Berliner Stadtgüter haben das beste Ergebnis seit ihrer Privatisierung erzielt: Im vergangenen Jahr machten sie 5,2 Millionen Euro Gewinn, dazu kamen 2,1 Millionen Euro Einnahmen aus dem Verkauf von Grundstücken. Das geht aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens hervor, den die Stadtgüter jetzt dem Aufsichtsrat vorlegten.

„Vor allem bei der Vermietung und Verpachtung von Grundstücken zur Herstellung regenerativer Energien haben wir eine positive Entwicklung“, sagte der Geschäftsführer der Stadtgüter GmbH, Peter Hecktor, der nach 15 Jahren – 13 Jahre davon als Geschäftsführer – im Juli das Unternehmen verlässt. Die Stadtgüter wurden 2007 vom Senat von einem landeseigenen Unternehmen in eine privatrechtliche GmbH umgewandelt und verwalten und bewirtschaften die rund 16.500 Hektar Flächen, die Berlin teilweise seit 130 Jahren im Umland gehören.

Während in vergangenen Jahren vor allem die Land- und Forstwirtschaft im Vordergrund stand, gewinnt die Erzeugung von erneuerbaren Energien immer mehr an Bedeutung. Auf jedem zehnten Quadratmeter der Stadtgüter entsteht heute Energie aus Wind- oder Sonnenkraft. Insgesamt produzieren die 24 Windkraft- und 17 Solaranlagen 120.000 Megawattstunden Energie – das entspricht dem Stromverbrauch von 52.000 Berliner Haushalten.

In diesen Wochen wird zudem auf den ehemaligen Rieselfeldern in der Gemeinde Großbeeren im Süden Berlins eine Solaranlage mit einer Leistung von zehn Megawatt in unmittelbarer Nähe der neuen Justizvollzugsanstalt Heidering in Betrieb genommen. „Das könnte ein gelungenes Schlüsselprojekt für die dezentrale Energieversorgung sein“, sagt Hecktor. Doch die geplante Stromlieferung in das Gefängnis wurde vom Land im vergangenen Sommer abgelehnt.

Derzeit experimentieren die Stadtgüter mit der Herstellung von Biomasse zur Energieerzeugung. Auf 100 Hektar Fläche werden schnell wachsende Hölzer angepflanzt, die nach drei bis vier Jahren abgeerntet und zur Verfeuerung in Heizkraftwerken verkauft werden. Weitere Windanlagen sollen bei Bernau entstehen. „Vor dem Hintergrund des neu gegründeten Stadtwerkes könnte das Land das Engagement bei der Herstellung regenerativer Energien forcieren“, sagt Hecktor. Allerdings sei im Senat keine einheitliche Linie im Umgang mit den landeseigenen Flächen zu erkennen.

Dabei drängt nach Angaben der Stadtgüter die Zeit. Viele der Flächen seien bereits als Standorte für Windkraft- oder Solaranlagen identifiziert – je länger das Land aber zögere, desto eher kämen Konkurrenten zum Zug. Berlin kann die Flächen dann nicht mehr oder nur noch in geringem Umfang für die Energieerzeugung nutzen. So könnten bis zu 750.000 Berliner Haushalte mit sauberem Strom versorgt werden, wenn die Stadtgüter konsequent für die Erzeugung regenerativer Energien genutzt würden.

Der Streit um die Zukunft der Stadtgüter hat dann auch dazu geführt, dass der Vertrag mit Geschäftsführer Hecktor zunächst nicht mehr verlängert wurde. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll die Abteilungsleiterin aus der Wirtschaftsverwaltung, Heidrun Rhode-Mühlenhoff, neue Chefin werden. Doch hinter den Kulissen gibt es offenbar Ärger. Hecktors Vertrag wurde vorerst befristet von Mai bis Juli verlängert.