Sturmtief

Orkan fegt über Deutschland: S-Bahn in Berlin lahmgelegt

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Drei Tote in Deutschland. Nordrhein-Westfalen wird vom Bahnverkehr abgeschnitten

Mit Orkanböen von bis zu 192 Stundenkilometern fegte das Sturmtief „Niklas“ am Dienstag über Deutschland. Mit verheerenden Folgen: Strommasten knickten um, Bäume wurden entwurzelt, Flüge wurden gestrichen und Züge fuhren nicht mehr. Drei Menschen starben. In Berlin rief die Feuerwehr am Nachmittag den Ausnahmezustand aus.

Besonders betroffen waren zunächst Teile von Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. In Berlin und Brandenburg wurden die Böen im Laufe des Nachmittags immer heftiger. Die Berliner S-Bahn kapitulierte vor „Niklas“. So gab es eine Unterbrechung auf der S-Bahnlinie 1, weil ein Baum auf die Gleise gestürzt war. Die Feuerwehr war im Einsatz. Auch auf den Linien S41 und S7 gab es Zugausfälle. Am Nachmittag entschied die S-Bahn die Höchstgeschwindigkeit der Züge auf 60 Stundenkilometer herabzusetzen, um die Sicherheit der Fahrgäste zu garantieren. Daher werde es auf allen Linien zu Verspätungen und Ausfällen kommen, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Die Linien S25, S41, S42, S5 und S75 verkehrten nur noch im 20-Minutentakt.

Auch in Nordrhein-Westfalen standen die Züge am Dienstag still. Das Ruhrgebiet war vom Bahnverkehr weitgehend abgeschnitten. Der Fernverkehr von Dortmund über Essen und Düsseldorf nach Köln war komplett gestört. Auch in anderen Teilen des Landes ging auf der Schiene nichts mehr. Bäume lagen in den Gleisen, Äste hingen in Oberleitungen, einzelne Streckenabschnitte waren komplett ohne Strom. Am Abend stellte die Bahn den Zugverkehr auch in der Region in und um Berlin fast vollständig ein.

In Bayerns Hauptstadt München drohte aufgrund des Sturms die Haupthalle des Bahnhofs einzustürzen. Sie wurde am Nachmittag geräumt. Dachfenster hätten sich durch den Sturm verschoben und drohten herabzustürzen, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei. Auch dort fiel der Zugverkehr aus.

Das stärkste Sturmtief seit vielen Jahren forderte bis zum Nachmittag drei Todesopfer in Deutschland. In Sachsen-Anhalt wurde ein Mann vor seiner Haustür unter einer umstürzenden Betonmauer begraben. In Rheinland-Pfalz erschlug ein Baum zwei Mitarbeiter der Straßenmeisterei in ihrem Auto.

In Berlin war auch der Autoverkehr von „Niklas“ betroffen. Um kurz nach 15 Uhr musste die Seestraße zwischen den Kreuzungen Müllerstraße und Turiner Straße teilweise gesperrt werden, nachdem ein Baum auf die Tramtrasse gestürzt war und die Gleise blockierte. Ein Auto wurde dabei komplett zerstört. Ein Passant trug leichte Verletzungen davon. Auch die Spanische Allee in Zehlendorf wurde am Nachmittag zwischen Potsdamer Chaussee und Niklasstraße in beide Richtungen gesperrt. Am Ernst-Reuter-Platz gab es einen Leichtverletzten – wegen eines herabfallenden Astes. Bis 19.30 Uhr fuhr die Berliner Feuerwehr insgesamt 600 wetterbedingte Einsätze. Sie kümmerte sich um lose Bauteile, umgestürzte Schilder und entwurzelte Bäume. Insgesamt gingen mehr Anrufe ein, als bewältigt werden konnten, sagte Feuerwehrsprecher Stephan Fleischer der Berliner Morgenpost. Die Berufsfeuerwehr wurde von 380 Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr unterstützt.

Auch der Flugverkehr war betroffen. Am Flughafen Tegel fielen 13 Flugverbindungen aus.