Flugzeugabsturz

Copilot am Flugtag krankgeschrieben

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Staatsanwaltschaft: Andreas Lubitz verschwieg Germanwings seinen Gesundheitszustand

Der mutmaßlich für den Absturz der Germanwings-Maschine verantwortliche Copilot Andreas Lubitz ist am Unglückstag krankgeschrieben gewesen. Die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf teilte mit, es deute vieles darauf hin, dass der 27-Jährige eine Erkrankung seinem Arbeitgeber verschwiegen habe. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus dem Umfeld der Ermittler des Düsseldorfer Polizeipräsidiums war der Copilot zuletzt noch am Tag vor dem Unglück in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnungen in Montabaur und Düsseldorf seien entsprechende medizinische Unterlagen entdeckt worden. Darunter eine zerfetzte Krankschreibung. Wie die „Rheinische Post“ berichtete, hatte der Copilot offensichtlich Krankschreibungen von zwei verschiedenen Ärzten. Das hätten Ermittler nach der Durchsuchung von Lubitz’ Wohnung und seinem Elternhaus bestätigt. Germanwings lag nach eigenen Angaben keine Krankschreibung von Andreas Lubitz vor. Ein Abschiedsbrief oder Hinweise auf eine politische oder religiöse Motivation für seine Handlung seien nicht gefunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ein Mitarbeiter des Luftfahrtbundesamts sagte, dass es in der bei der Behörde hinterlegten Akte des Copiloten eine Notiz mit der Aufschrift „besondere regelmäßige medizinische Überprüfung“ gegeben habe. Solch eine Bemerkung könne sich allerdings auf den körperlichen oder auch den geistigen Zustand beziehen. Der Mitarbeiter sagte, Details gingen aus der Notiz nicht hervor.

Nach Angaben der Universitätsklinik Düsseldorf hat Lubitz noch zwei Wochen vor dem Unglücksflug das Krankenhaus aufgesucht. Er sei im Februar und zuletzt am 10. März als Patient vorstellig geworden, teilte die Klinik am Freitag mit. „Es handelte sich um diagnostische Abklärungen. Einzelheiten unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.“ Die Krankenakten wollte die Klinik noch im Laufe des Tages der Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben.

Der französische Premier Manuel Valls forderte unterdessen die Lufthansa auf, alle Informationen über den Copiloten ihrer Tochtergesellschaft zur Verfügung zu stellen. Nur so könne man versuchen nachzuvollziehen, wie dieser Pilot dazu gekommen sei, diese schreckliche Tat auszuführen, sagte Valls dem französischen Sender iTele.

Unterdessen ändern Airlines und Flugsicherheitsbehörden nach der Katastrophe weltweit ihre Regeln und wollen künftig keine Piloten mehr allein im Cockpit erlauben. Deutsche Gesellschaften wie Air Berlin und Condor kündigten an, dass die Neuregelung bereits von Freitag an gelte.

Die Internationale Zivilluftfahrzeugorganisation (ICAO) der Vereinten Nationen fordert laut „Spiegel online“ jetzt regelmäßige medizinische Spezialtests für Piloten. Bei begründetem Anlass sollten tiefergehende „neuropsychologische Checks“ erwogen werden.