Unglück

Suche im Trümmerfeld

Nach dem Flugzeugabsturz mit 150 Toten wird die Blackbox ausgewertet. Sicher ist: Eine Explosion war nicht die Ursache

Einen Tag nach dem Absturz des Germanwings-Airbus’ A320 über den französischen Alpen mit 150 Toten ist die Ursache weiterhin unklar. Zwar wurde die erste Blackbox, der sogenannte Voice Recorder des Unglücksflugzeugs, mit der die Gespräche der Piloten aufgezeichnet werden, gefunden. Doch die erste Auswertung belegt bislang nur, dass es vor dem Absturz keine Explosion gegeben hat. „Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen“, teilte der Direktor der französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA, Rémi Jouty, in Paris mit. Es sei aber „zu früh, daraus einen Schluss zu ziehen“, sagte Jouty.

Die zweite Blackbox ist noch nicht gefunden worden. In ihrem letzten Kontakt hätten die Piloten des Airbus’ 320 eine Routine-Mitteilung gemacht, sagte Jouty. Die Experten rätseln also weiter über die Unglücksursache, zumal die Maschine sich vor dem Absturz acht Minuten lang im Sinkflug befand, bevor sie in den Alpen zerschellte. Eine von Piloten diskutierte Theorie ist der Bruch einer der Cockpitscheiben und ein dadurch ausgelöster plötzlicher Druckabfall. Geschieht das in der Reiseflughöhe von 11.500 Metern, ist ein kontrolliertes Handeln der Piloten unmöglich.

Der Schock über die Flugzeugkatastrophe ist in Deutschland und auf der ganzen Welt groß. Der Airbus A320 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf mit 150 Menschen an Bord in der schwer zugänglichen Bergregion in Frankreich abgestürzt. Niemand überlebte. Am Mittwoch machte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen eigenen Eindruck von der Absturzstelle. Der französische Präsident François Hollande, der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) begleiteten sie. Sie flogen mit einem Hubschrauber über das Absturzgebiet.

Die Kanzlerin erklärte, es sei ein gutes Gefühl, dass die Länder in einer so schweren Stunde zusammenstünden. Hollande sagte, er verbeuge sich mit Merkel und Rajoy vor den Opfern des Unglücks. „Ich denke an die Familien, an die Angehörigen.“ Es sei Frankreich eine Ehre, die Familien der Opfer am Unglücksort zu unterstützen, sagte der französische Präsident.

Die Zahl der deutschen Todesopfer wurde von der Fluggesellschaft Germanwings inzwischen auf 72 nach oben korrigiert. Die Flugglinie hatte am Dienstag noch von 67 Toten aus Deutschland gesprochen. Die Staatsanwaltschaft von Marseille nahm unterdessen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf. Die Flugüberwachung habe kurz vor dem Unglück vergeblich versucht, Kontakt zu dem Airbus herzustellen, sagte Staatsanwalt Brice Robin. Düsseldorfer Staatsanwälte übernahmen die deutschen Ermittlungen.

Einen Tag nach dem Unglück flog Germanwings mit nahezu regulärem Flugplan. Zwar traten einige Crews aus Trauer ihren Dienst nicht an, die Lufthansa half jedoch mit eigenen Mannschaften aus. Auch andere Fluglinien stellten Maschinen zur Verfügung. Germanwings-Chef Thomas Winkelmann zeigte Verständnis: „Wir sind eine kleine Familie, da ist der Schock sehr groß.“ Auch die Unglücksstrecke von Barcelona nach Düsseldorf wurde von Germanwings am Mittwoch wieder geflogen. Unbestätigten Berichten zufolge hat die Fluglinie jedoch eine andere Route gewählt und die Flugnummer geändert.

In Frankreich wurde am Mittwoch die Suche an der Unglücksstelle fortgesetzt. Hubschrauber starteten zu dem schwer zugänglichen Ort. Rettungskräfte bargen erste Opfer, teilte die französische Polizei in Digne am Mittwochabend mit. Ein Sprecher ließ aber die Zahl der Leichen offen.

Über die Schülergruppe aus dem westfälischen Haltern, die für einen Schüleraustausch in Spanien war, werden unterdessen immer mehr tragische Details bekannt. Die getöteten Schüler waren für die Reise ausgelost worden – weil es für die Teilnahme mehr Bewerber als Plätze gegeben hatte. Mindestens einer der Schüler sei als Nachrücker mitgereist, hieß es. Vor dem Gymnasium erinnerte ein Lichtermeer an die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen. „An unserer Schule wird nichts mehr so sein, wie es vorher war“, sagte Schulleiter Ulrich Wessel. Auf einem Schild auf dem Schulhof stand: „Gestern waren wir viele. Heute sind wir allein.“