Karaseks Woche

Plätscherndes Geständnis

| Lesedauer: 2 Minuten

Hellmuth Karasek über die Dinge des Lebens …

Durst, so weiß es das Volk in seiner zum Volksmund verdichteten Weisheit, Durst ist schlimmer als Heimweh. Wer je in der Wüste vom Karawanenweg abgekommen ist oder auch nur beim Wandern in Wald und Feld vergeblich nach einer Gaststätte Ausschau gehalten hat, weiß, wovon ich spreche.

Es gibt etwas, das noch schlimmer ist als Durst, und das ist der Milliardärserbe Durst, Robert Durst, der drei schreckliche Morde begangen haben soll. 1982 verschwand seine Ehefrau spurlos in Vermont. Im Jahr 2000 wurde eine enge Freundin von ihm ermordet in ihrem Haus in Kalifornien gefunden, kurz bevor die Polizei sie zum Verschwinden von Dursts Ehefrau befragen konnte. Und 2001 wurde Dursts Nachbar tot aufgefunden. Durst wurde in allen drei Fällen verdächtigt, vor Gericht aber freigesprochen. So weit, so gut. So weit, so schlecht.

Kein Anlass für einen geschmacklosen Namenswitz mit Durst, gingen das Leben und die Gerechtigkeit nicht seltsame Wege. Denn das US-Fernsehen drehte über den mysteriösen Milliardär eine Dokumentarserie. Und dabei gab es die folgende Szene, die einmal etwas mit gestilltem Durst und den Folgen zu tun hat. Andererseits mit Schillers Gedicht „Die Kraniche des Ibykus“ („Kaum war das Wort dem Mund entfahren, wollt er’s im Busen gern bewahren“). Durst also ging während einer Drehpause auf die Toilette und murmelte, während es plätscherte, vor sich hin: „Was zum Teufel habe ich getan? Na klar – ich hab sie alle umgebracht.“ Harndrang plus Gewissensdrang? Das Mikrofon war nämlich noch angeschaltet. Wie im Film „Die nackte Kanone“, wo das Rauschen des unvergessenen Leslie Nielsen auf der Toilette laut im Saal während einer TV-Diskussion mit Queen Elizabeth zu hören war. Damals ein todsicherer Lacher. Bei Durst ist es ernster. Ihm droht die Wiederaufnahme des Mordprozesses.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost