Extremismus

Terror in Tunesien: 17 Touristen bei Anschlag auf Museum getötet

Bewaffnete schießen in Tunis wahllos um sich. Auch Deutsche unter den Opfern vermutet

Bewaffnete haben am Mittwoch eines der meistbesuchten Museen Tunesiens gestürmt und 20 Menschen getötet. 17 der Opfer seien ausländische Touristen, sagte der tunesische Ministerpräsident Habib Essid. Zudem kamen drei Tunesier ums Leben. 44 Menschen wurden verletzt. Zwei der Angreifer wurden bei der Erstürmung des Gebäudes erschossen, drei weitere waren nach Angaben Essids auf der Flucht. Nach ihnen lief eine Großfahndung. Das Motiv der Angreifer war zunächst unklar, Tunesien kämpft aber seit Jahren mit islamistischem Terror.

Unter den Opfern seien fünf Japaner, vier Italiener, zwei Kolumbianer, ein Franzose, ein Pole, ein Australier sowie ein Spanier, sagte Essid am Abend im Fernsehen. Er sprach in seiner Rede von „endgültigen“ Angaben. Über die Nationalität der beiden anderen ausländischen Opfer machte er zunächst keine Angaben. Ob Deutsche unter den Toten waren, wie Essid zunächst gesagt hatte, blieb damit weiter unklar. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte dazu, er könne das nicht ausschließen. „Gewissheit haben wir darüber noch nicht“, fügte er aber hinzu. „Unsere Botschaft in Tunis arbeitet gemeinsam mit den tunesischen Behörden daran, schnellstmöglich für Aufklärung zu sorgen.“

Etwa 100 Italiener entkamen unverletzt. Bei ihnen soll es sich um Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Costa Fascinosa“ handeln, das in Tunis vor Anker lag. Die Reederei Costa Crociere bestätigte, dass einige der 3161 Passagiere Tunis besichtigen wollten und dass auch das Nationalmuseum von Bardo auf dem Plan stand. Es beherbergt die größte archäologische Ausstellung Tunesiens und besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen römischer Mosaike weltweit.

Fünf Bewaffnete hatten am Mittag auf dem Platz, an dem das Museum und das Parlament liegen, mit Schnellfeuergewehren um sich geschossen. Essid sagte, die Täter hätten vor dem Museum willkürlich auf Touristen gefeuert und sie bis ins Museum verfolgt. Dort nahmen die Bewaffneten dann zahlreiche Urlauber als Geiseln. Tunesische Sicherheitskräfte, die das Gebäude zunächst umstellt hatten, beendeten am Nachmittag die Geiselnahme. Dabei starben nach Angaben des Senders Wataniya unter anderem zwei Terroristen und ein Polizist.

Präsident Béji Caïd Essebsi erklärte, ein „riesiges Unglück“ habe Tunesien heimgesucht. „Wir müssen mit einer Generalmobilmachung beginnen und die Terroristen endgültig ausschalten“, so Essebsi bei einem Besuch von Verletzten im Krankenhaus.

International stieß der Terroranschlag auf scharfe Kritik, führende Politiker sagten dem tunesischen Volk Unterstützung zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, die Vereinten Nationen seien solidarisch mit den Menschen und den Behörden in Tunesien. Auch Bundespräsident Joachim Gauck, Frankreichs Staatspräsident François Hollande zeigten sich entsetzt.