Architektur

Berlin plant Denkmalschutz für das ICC

Bausenator und Landeskonservator sehen Antrag des Bezirks positiv. Eine Nutzung als Einkaufscenter wäre damit ausgeschlossen

- Das Internationale Congress Centrum (ICC) wird unter Denkmalschutz gestellt. Das machte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) gegenüber der Berliner Morgenpost deutlich. „Es ist sachlich sinnvoll. Welches Gebäude sonst in Berlin sollte man unter Schutz stellen?“ so der Senator.

Fachlich obliegt die Entscheidung dem Landeskonservator Jörg Haspel. Dessen Landesdenkmalamt prüft einen Antrag des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. „Über den besonderen Charakter des Gebäudes besteht Klarheit“, sagte Haspel. Zur definitiven Entscheidung wollte sich der Denkmalschützer noch nicht äußern. Die Fachleute sind jedoch dabei, die Architektur der 70-er und 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts in die Denkmalliste aufzunehmen.

Das 320 Meter lange und 40 Meter hohe ICC der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte wurde 1979 eröffnet und gilt als eines der bedeutendsten Berliner Bauwerke der Nachkriegszeit. Seit April ist das jahrelang defizitär arbeitende Haus geschlossen. Die Technik gilt als veraltet.

Es wird erwartet, dass der Antrag des Bezirks positiv beschieden wird, sobald der Senat offiziell die Pläne für ein Einkaufszentrum im ICC beerdigt. Noch läuft ein Gutachten, welche Folgen eine Shopping Mall am Messedamm für die umliegenden Einkaufsstraßen hätte. Zwar hatte eine Markterkundung im Auftrag von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) ergeben, dass allein eine Nutzung als Einkaufstempel in Frage kommt, wenn man das Gebäude wirtschaftlich nutzen und den zugesagten 200-Millionen-Euro Beitrag des Landes nicht erhöhen möchte. Aber sowohl Geisel als auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) lehnen ein Shopping Center im ICC ab. Auch die CDU ist nicht dafür.

Müller hatte sich zuerst im Januar im Morgenpost-Interview dafür ausgesprochen, das ICC wieder für Messen und Kongresse herzurichten, kombiniert mit Hotel und etwas Shopping. Diese Präferenz hat Müller jetzt intern erneut deutlich gemacht.

Obwohl eine Sanierung unter Denkmalschutz nicht einfacher würde, spricht sich auch die Grünen-Wirtschaftsexpertin Nicole Ludwig für eine Weiternutzung als Kongresszentrum aus. Senator Geisel räumte ein, dass der Denkmalschutz die Vermarktung des ICC erschweren könnte. „Das ist wahr“, sagte Geisel. Man könne aber differenziert vorgehen. So sei das Parkhaus nicht im Denkmalschutzantrag erfasst. Dort könnte etwa ein Hotel entstehen.

Sicher ist aber, dass jeder Investor, aber auch ein öffentlicher Bauherr, seine Pläne bis ins Detail mit dem Denkmalschutz abstimmen müsste. Das könnte eine Nutzung weiter erschweren. Denn die Markterkundung hatte ergeben, dass auch Kombinationen von Kongressen mit Kultur, Galerien oder Show-Rooms hohe Defizite einbrächten.

Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Marc Schulte (SPD) sagte, das Gebäude könne auch unter Denkmalschutz noch verändert werden, jedoch nicht so radikal, wie für ein Einkaufszentrum. „Eine vollständige Entkernung und ein Neuaufbau wären nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar“, sagte der Stadtrat.