Verkehr

Berliner Stadtbahn wird zwischen Zoo und Friedrichstraße gesperrt

Ab Ende August wird der Fern- und Regionalverkehr für drei Monate unterbrochen

Die Geduld der Bahnreisenden wird in diesem Jahr in Berlin erneut auf eine harte Probe gestellt. Die Deutsche Bahn kündigte für 2015 wieder zahlreiche Großbaustellen in der Stadt und im Umland an. Größte Herausforderung für viele Bahnkunden dürfte die dreimonatige Vollsperrung der Stadtbahn für den Fern- und Regionalverkehr werden. Vom 24. August bis voraussichtlich 23. November fährt zwischen Zoologischer Garten und Friedrichstraße lediglich noch die S-Bahn.

Weitere Vollsperrungen für den Fern- und Regionalverkehr wird es in dieser Zeit auch zwischen Charlottenburg und Grunewald sowie zwischen Zoologischer Garten geben, kündigte der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Berlin, Ingulf Leuschel, am Dienstag an. Insgesamt will der Bahnkonzern in diesem Jahr rund 315 Millionen Euro in die Instandhaltung und Modernisierung der teils altersschwachen Bahninfrastruktur investieren.

Dazu gehört auch der Nord-Süd-Tunnel, der fast vier Monate lang für den S-Bahnverkehr komplett gesperrt ist. Die zwischen 1934 und 1939 gebaute Tunnelstrecke wird seit 16. Januar für 6,4 Millionen Euro zwischen dem Nordbahnhof und dem Anhalter Bahnhof umfassend modernisiert. Laut der Bahn liegen die als sehr umfangreich und komplex bezeichneten Arbeiten bisher voll im Plan. „Die S-Bahn wird ab dem 4. Mai wieder fahren“, versprach Leuschel.

Erst im vergangenen Sommer war die Stadtbahn mehrere Monate lang gesperrt. In dieser Zeit wurden zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten die Schienen für die S-Bahn erneuert. Auslöser der jetzt angekündigten Sperrung ist allerdings eine Bausünde aus der Zeit der Errichtung des Berliner Hauptbahnhofs. Bereits kurz nach der Eröffnung im Mai 2006 hatte sich herausgestellt, dass die Brückenkonstruktionen den Anforderungen nicht entsprechen. Weil die Stadtbahntrasse zwischen Hauptbahnhof und Friedrichstraße besonders enge Kurvenradien aufweist, wirken dort sehr hohe Kräfte. Diesen Belastungen hielten die Schraubverbindungen nur unzureichend stand. Zunächst versuchte die Bahn, die schadhaften Schrauben auszutauschen. 2011 folgte eine umfassende Instandsetzung, die jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte. Daraufhin verhängte die Bahn ein Tempolimit: Seit Monaten dürfen die Züge nur noch mit 40 statt mit 60 Kilometer pro Stunde über diesen Stadtbahnabschnitt fahren, was wiederholt zu Staus vor dem Bahnhof Friedrichstraße führte.

Um die Probleme dauerhaft zu lösen, sollen nun 37 sogenannte Fahrbahnübergänge durch Neukonstruktionen ersetzt werden. Um nicht den gesamten Verkehr in der Innenstadt lahmzulegen, hat sich die Bahn zu einem schrittweisen Vorgehen entschlossen. In diesem Jahr werden die Fahrbahnen für den Fern- und Regionalverkehr saniert, 2016 wird es eine weitere, mindestens 60-tägige Sperrung der S-Bahngleise geben. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Die als Stadtbahn bezeichnete Verbindung zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof gilt als wichtigste Eisenbahnstrecke in Berlin. Täglich fahren über die 11,2 Kilometer lange, vorwiegend über Viadukte geführte West-Ost-Trasse rund 150 Fern- und 350 Regionalzüge, hinzu kommen weitere 650 S-Bahnen. „Die Stadtbahn ist die Hauptschlagader des Berliner Eisenbahnverkehrs“, sagte Leuschel.

Während alle Fernzüge während der Sperrung über Alternativstrecken in die Tiefebene des Hauptbahnhofs fahren können, werden Nutzer des Regionalverkehrs sich auf Einschränkungen einstellen müssen. So wird etwa die RE-Linie 1 (Magdeburg–Potsdam–Berlin–Frankfurt) gebrochen – das heißt: Die Züge aus Richtung Westen fahren nur bis Zoologischer Garten, die aus Richtung Frankfurt (O.) nur bis zum Ostbahnhof. Dort heißt es dann jeweils Umsteigen in die S-Bahn.

Um Schienen zu erneuern, wird vom 29. August bis 7. Oktober auch die Bahnstrecke zwischen Spandau und Charlottenburg für den Fern- und Regionalverkehr gesperrt, wegen Brückenbauarbeiten soll es in dieser Zeit auch mehrere Sperrungen zwischen Charlottenburg und Grunewald geben. Auch in diesen beiden Fällen müssen die Reisenden auf die S-Bahn umsteigen und mit teils erheblich längeren Fahrzeiten rechnen.