Verkehr

Neue Studie: Feinstaub-Belastung bleibt in Berlin deutlich zu hoch

Grenzwert wird bis zum Jahr 2030 überschritten. Einige Straßen sind besonders betroffen

Die Belastung mit krebserregendem Feinstaub wird in Berlin auf absehbare Zeit höher sein, als es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt. Zu diesem Ergebnis kommt eine europaweite Studie des österreichischen Forschungsinstitutes für angewandte Systemanalyse (IIASA), die jetzt veröffentlicht wurde.

Den Forschern zufolge werden 2030 etwa 80 Prozent der EU-Bevölkerung einer Belastung oberhalb der WHO-Empfehlungen ausgesetzt sein. Im Vergleich zu Paris oder Mailand, sowie zu osteuropäischen Städten schneidet Berlin zwar gut ab. Die für Berlin prognostizierten 25 bis 35 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter liegen aber über der WHO-Empfehlung von 20 Mikrogramm. Den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm im Jahresdurchschnitt würde Berlin einhalten. Mediziner fordern allerdings schon lange, den Wert zu reduzieren.

Als Feinstaub werden kleinste Staubpartikel bezeichnet, die in die Lunge eindringen und Atemwegs- sowie Herz- und Kreislaufkrankheiten und Krebs verursachen können. Im Jahr 2011 starben einer Untersuchung der Europäischen Umweltagentur zufolge etwa 400.000 Menschen vorzeitig, weil sie einer erhöhten Konzentration von Feinstaub ausgesetzt waren. Feinstaub kann durch Industrieabgase, Kohlekraftwerke und Autoverkehr verursacht werden. Um die Ausstöße zu verringern, hat die EU Gesetze und Verordnungen verschärft. Den Wissenschaftlern des IIASA zufolge wird der Ausstoß an Feinstaub dadurch sinken. „Ohne weitere Anstrengungen wird die Luftverschmutzung in weiten Teilen Europas aber über den Grenzwerten der EU und der WHO bleiben“, schreiben die Forscher.

In Berlin ist die Feinstaubbelastung in den letzten Jahren gesunken. Ein Grund ist die seit 2010 geltende Umweltzone. Autos mit hohem Schadstoffausstoß dürfen seitdem nicht innerhalb des S-Bahn-Rings fahren. Dennoch werden an einigen Stationen regelmäßig zu hohe Konzentrationen gemessen. Besonders belastet sind die Frankfurter Allee, die Karl-Marx-Straße und die Silbersteinstraße. Am Mariendorfer Damm wurde der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm seit Jahresbeginn bereits acht Mal überschritten. Pro Jahr darf es höchstens 35 Überschreitungen geben.