Nachfolger

Gegen die Stimmen des Bundes: Mühlenfeld wird neuer BER-Chef

Berlin und Brandenburg setzen Ex-Rolls-Royce-Manager als Mehdorn-Nachfolger durch

Neuer Chef der Berliner Flughafengesellschaft wird der frühere Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld. Mit massivem Druck setzten die Vertreter der Bundesländer Berlin und Brandenburg die Personalie im Aufsichtsrat gegen den Widerstand des Bundes durch. Am Ende musste das Kontrollgremium die Nachfolge von Flughafenchef Hartmut Mehdorn mit einer Kampfabstimmung durchsetzen. Berlin und Brandenburg verfügen über acht Sitze in dem 15-köpfigen Gremium.

Der Manager stammt aus Mariendorf und leitete jahrelang das Werk des britischen Triebwerkherstellers Rolls-Royce in Dahlewitz im Süden Berlins. In dieser Funktion hatte ihn Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kennen- und schätzen gelernt. Inzwischen arbeitet Mühlenfeld als Entwicklungschef für den Bahnhersteller Bombardier, kann aber aus seinem noch jungen Vertrag wieder aussteigen.

Hinter der Idee, mit Mühlenfeld einen eher unbekannten Manager vorzuschlagen und durchzusetzen, steckt eine gemeinsame Strategie von Woidke und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD). Beide sind überzeugt, dass das Führungsteam des BER nun eher keinen zweiten Mehdorn an der Spitze brauchen kann. Ein Alphatier als Geschäftsführer könnte den vereinbarten Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017 noch einmal infrage stellen wollen, so ihre Befürchtung. Über Wochen hatten sich die beiden Länderchefs bemüht, von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Zustimmung zu dieser kleinen Chef-Lösung zu bekommen. Vor allem ging es ihnen darum, dass Technikchef Jörg Marks in Ruhe seine Arbeit bei Umplanung und Umbau der Brandschutzanlage fortsetzen kann. Der Bund hätte lieber einen erfahrenen Airport-Manager an der Spitze gesehen. In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Namen von möglichen Mehdorn-Nachfolgern gehandelt worden. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will spätestens am 30. Juni den Chefposten aufgeben. Der neue Chef wird die schwierige Aufgabe haben, den neuen Airport bis Ende 2017 fertigzustellen. Planungsfehler und Baumängel haben das Projekt schon mehr als drei Jahre in Verzug gebracht.