Karaseks Woche

Magerquark ist Quatsch!

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In der Ernährungswissenschaft kriegt jeder sein Fett weg

Diesmal möchte ich Ihnen ein Problem aus meiner Mann/Frau-Beziehung (also normalerweise der von mir zu meiner Frau) berichten. Das Problem stellt sich jeden Dienstag und Freitag. Da ist nämlich Markt, und wenn meine Frau nicht kann, muss ich meist können, wenn ich kann. Sie gibt mir einen Zettel, aus einem Schulheft rausgerissen, und da steht dann eine Einkaufsliste für den Markt drauf. Letzte Woche stand da neben Basilikum das Wort „Magerquark“.

Ich weiß, Magerquark ist wie Quark ein tierisches Produkt. Aber wie ich schon in meiner Vorschulzeit hörte, herrschte damals zwischen Tier und Mensch ein Verhältnis des Gebens und Nehmens. Ich lernte im Kindergarten, so hieß die Kita damals noch und schaffte es in dieser Form in sämtliche andere Fremdsprachen als Fremdwort, den Spruch: „Muh, muh, muh, so ruft im Stall die Kuh. Sie gibt uns Milch und Butter, wir geben ihr das Futter.“ Ein faires Verhältnis: Gibst du was, geb ich dir auch was. Auch der Magerquark fiel unter die Molkereiprodukte der Kuh.

Sieh an! dachte ich, Magerquark. Wie gesund, wie vernünftig, wie diätbewusst von meiner Frau. Doch dann stieß ich am gleichen Vormittag auf einen großen Artikel mit der Überschrift „Magerquark“. Und da hieß es, dass Magerquark fälschlicherweise seit 40 Jahren als gesund gegolten hat. Damals, als Regierungen und Ärzte zum Feldzug gegen Zivilisationskrankheiten aufriefen, war das Fett der Feind aller Dinge. Beim Quark sollte man den Fettanteil von 40 auf 30, oder noch besser: auf 25 Prozent reduzieren. Magerquark würde die Erkrankungen an Herzinfarkt, an Schlaganfall und andere Kreislaufleiden eindämmen.

Jetzt, also letzten Dienstag, als Magerquark noch auf dem Einkaufszettel stand, ist das alles Quatsch! Alles Quark, oder sogar Magerquark! Ärzte haben den Nachweis geführt, dass die Ernährungsrichtlinien für den weichbröseligen Käse, die seit 1977 in den USA und seit 1983 in Großbritannien galten, „besser nie verabschiedet worden wären“. Es gebe schlicht keine Beweise, dass weniger Fett in der Nahrung Herz und Gefäße schont. Grund: Die Studie vom gesunden Magerquark beruhte auf der Untersuchung von nur 2500 Männern. Zu allem Übel noch dazu kranken Männern. Frauen wurden überhaupt nicht mit Quark gefüttert. Ein Schlag gegen die Ernährungsgleichberechtigung.

Trotzdem habe ich meiner Frau den Magerquark gekauft. Man kann nicht von einem Tag auf den anderen den Glauben wechseln.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost