Urteil

Keine Kündigung nach Griff an Brust

Bundesarbeitsgericht hält fristlosen Rauswurf für unverhältnismäßig

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz muss nicht zwangsläufig zur fristlosen Kündigung des Täters führen. Ob unsittliche Annäherungen tatsächlich eine Entlassung nach sich ziehen, hänge immer von den Umständen des Einzelfalls ab, stellte ein Sprecher des Bundesarbeitsgerichts am Dienstag in Erfurt klar. Ein Automechaniker aus Nordrhein-Westfalen hatte einer Putzfrau an den Busen gegriffen und erfolgreich gegen seine Kündigung geklagt (2 AZR 651/13).

Nach den Umständen hätte eine Abmahnung ausgereicht, urteilten die Richter. Der Mann hatte im Juli 2012 im Waschraum zu der Putzfrau gesagt, dass sie einen schönen Busen habe und dann ihre Brust berührt. Als die Frau deutlich machte, dass sie dies nicht wünsche, ließ der Mann sofort von ihr ab. Im Gespräch mit seinem Arbeitgeber erklärte er, er habe sich eine Sekunde lang vergessen. Er schäme sich, so etwas werde sich nicht wiederholen – dennoch wurde ihm fristlos gekündigt. Der Mann hatte sich auch bei der Frau entschuldigt und ein Schmerzensgeld gezahlt. Das Bundesarbeitsgericht sah zwar zweifelsfrei eine verbale und körperliche sexuelle Belästigung, hielt aber die Kündigung für unverhältnismäßig. Der Kläger habe nicht notorisch Grenzen überschritten.