Gesundheit

Sitzen, rauchen, trinken: Berliner sind die ungesündesten Deutschen

Hauptstädter verbringen laut Studie neun Stunden pro Tag im Sessel – das macht krank

Nirgendwo in Deutschland sitzen, rauchen und trinken die Menschen so viel wie in Berlin. Das ist eines der Ergebnisse des Reports „Wie gesund lebt Deutschland?“ der Deutschen Krankenversicherung (DKV), der am Montag in Berlin präsentiert worden ist. „Nur acht Prozent der Berliner leben rundum gesund“, sagte Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung (ZfG), bei der Vorstellung der Studie. Deutschlandweit achten demnach nur elf Prozent der Menschen genügend auf ihre Gesundheit.

Der Report wurde bereits zum dritten Mal veröffentlicht. Das Marktforschungsinstitut GfK befragte für die Studie im vergangenen Jahr mehr als 3000 Menschen in Deutschland zu ihrem Gesundheitsverhalten. Erstmals wurde dabei auch das Thema Sitzen untersucht. Das dauerhafte Sitzen ist heute neben allgemeinem Bewegungsmangel als ein eigenständiger Risikofaktor für die Gesundheit anerkannt. Im Vergleich zu den DKV-Studien von 2010 und 2012 zeichnet sich ein klares Ergebnis ab: Die Deutschen bewegen sich immer weniger. Dabei ist die Arbeit durchschnittlich für 24 Prozent und der Fernseher für 30 Prozent der Sitzzeit verantwortlich.

Der DKV-Report bestätigt den Zusammenhang zwischen langen Sitzzeiten und einem früheren Tod. Schon jede tägliche zusätzliche Fernsehstunde auf dem Sofa erhöhe die Sterblichkeit um elf Prozent. „1,2 Millionen Menschen sterben an den Folgen von Bewegungsmangel in Europa. Einer der Hauptpunkte die dazu führen, ist das ständige Sitzen, das zwangsläufig eine Inaktivität des ganzen Organismus nach sich zieht“, sagte Froböse. Die Menschen würden durchschnittlich 7,5 Stunden pro Tag sitzen.

Die Berliner sitzen jedoch durchschnittlich neun Stunden täglich – und damit länger als alle anderen Deutschen. Insgesamt 92Prozent der Hauptstädter ernährten sich nicht abwechslungsreich genug, tränken zu viel Alkohol, rauchten zu häufig und stünden unter zu viel Stress, erklärte Experte Froböse weiter.

Frauen leben gesünder

Bundesweit ist laut dem DKV-Report Mecklenburg-Vorpommern das gesündeste Bundesland. Bei der körperlichen Aktivität liegt Bayern vorne. Stress-Bundesland Nummer eins ist Nordrhein-Westfalen.

Deutschlandweit zeigt der Report auch: Der Alkoholkonsum und das Stressempfinden sinken. Die Zahl der Raucher steigt insgesamt – und die ungesunde Ernährung nimmt zu. Frauen ernähren sich dabei im Schnitt gesünder, rauchen weniger, trinken weniger Alkohol und leiden seltener unter Stress. Männer sind körperlich aktiver. Die 30- bis 45-Jährigen verhalten sich dabei am ungesündesten. Im mittleren Lebensalter finden sich die meisten Raucher, der stärkste Stress und die schlechteste Ernährung.

Kinder und Akademiker sind nach dem Report ebenfalls besonders gefährdet. Der Nachwuchs lerne den sitzenden Lebensstil und würde von Eltern und Lehrern nicht ausreichend über einen gesunden Lebenswandel aufgeklärt, hieß es von der DKV. Akademiker würden insgesamt am längsten sitzen, mehr als neun Stunden täglich. Das könne auch nicht durch Sport vor oder nach der Arbeit kompensiert werden.