Jubiläum

Eiskalte Buchstabensuppe

Deutschsprachige Bibliothek in der Antarktis feiert 10. Geburtstag

Der kleine grüne Container dürfte einer der gemütlichsten Orte der Region sein. Die „Bibliothek im Eis“ steht in einer der unwirtlichsten Gegenden der Erde – in der Antarktis. Etwa 100 Meter entfernt von der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung lädt die Bücherei Forscher und Techniker zum Schmökern ein. Jetzt feiert die Bibliothek ihren zehnten Geburtstag – wieder mit einer Ladung neuer Bücher und 40 Liter Kölsch, die der Erfinder der Bibliothek, der Kölner Künstler Lutz Fritsch, jedes Jahr zum Neujahrsempfang in die Antarktis schickt. Rund 700 Bücher stehen inzwischen in den Regalen. Doch welche es sind, weiß niemand außer den neun „Überwinterern“ auf der Station.

Eben mal in die gute Bücherstube reinschauen ist nicht so einfach. Der ehemalige Überwinterer Holger Schmithüsen schreibt: „Bei einem Schneesturm muss sich der Besucher an einer Handleine entlanghangeln.“ Einmal angekommen, muss man sich zunächst aus Polaroverall und Stiefeln schälen, bevor man in die bereitstehenden Pantoffeln schlüpfen kann. Die Bücher werden gestiftet von Künstlern und Wissenschaftlern, die Fritsch anschreibt und um Widmungen bittet. „Jedes Buch ist ein persönliches Geschenk an die Überwinterer der Forschungsstation“, sagt er. Einige wenige Stifternamen wurden allerdings doch im Lauf der Jahre bekannt.

So soll etwa Günter Grass seinen Roman „Hundejahre“ an den Pol geschickt haben, Regisseur Tom Tykwer einen Roman von Peter Hoeg: „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“. Sogar eine Packung Buchstabennudeln stehe im Regal, enthüllt der ehemalige „Überwinterer“ Schmithüsen, mit der Aufschrift: „Goethes gesammelte Werke“.