Extremismus

Anti-Terror-Razzia in Berlin: Haftbefehle gegen Islamisten

Gruppe soll Terrormiliz „Islamischer Staat“ unterstützt haben und wollte nach Syrien reisen

Ein Großaufgebot der Polizei hat in Berlin eine radikale Islamisten-Zelle ausgehoben. 250 Beamte durchsuchten am frühen Freitagvormittag im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft elf Objekte in Moabit, Wedding und Gesundbrunnen, darunter eine Moschee, Vereinsräume und Wohnungen. Dabei seien zwei Haftbefehle vollstreckt worden, sagte JustizsprecherMartin Steltner.

Die seit etwa einem Jahr laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Staatsschutzes richten sich nach Angaben von Steltner insbesondere gegen den 41-jährigen Ismet D. Der im Ortsteil Gesundbrunnen lebende türkische Geschäftsmann steht in dem dringenden Verdacht, eine islamistische Extremistengruppe anzuführen. In seiner Funktion soll er die Mitglieder bei einem von ihm abgehaltenen „Islamunterricht“ in Vereinsräumen an der Perleberger Straße in Moabit radikalisiert und zur Teilnahme am sogenannten „Heiligen Krieg“ im syrischen Bürgerkriegsgebiet gedrängt haben.

Der zweite Haftbefehl wurde gegen den 43-jährigen Emin F. erlassen. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, erhebliche Geldbeträge zur Finanzierung der Aktivitäten bereitgestellt zu haben. Polizeisprecher Stefan Redlich sagte am Freitag, bei den Durchsuchungen seien Flugticktes und Reisepässe sichergestellt worden. Für die Ermittler ist das ein Indiz, dass die Hauptverdächtigen oder andere Mitglieder unmittelbar vor der Ausreise nach Syrien standen.

Zu der von Ismet D. geführten Gruppe gehörten mehrere Türken sowie russische Staatsbürger aus Tschetschenien und Dagestan. Anhaltspunkte für mögliche in Deutschland geplante Anschläge durch die Gruppe gibt es laut Polizei derzeit nicht. Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach am Freitag von guter Arbeit der Behörden. „Solche Einsätze zeigen, dass wir die Szene im Blick haben und Druck ausüben“ sagte Henkel.

Der Schlag gegen die Islamisten in Berlin ist der dritte in Deutschland nach dem Terroranschlag in Paris . Am Mittwoch hatten Spezialkräfte in Wolfsburg einen radikalen Islamisten festgenommen. Zuvor wurde ein mutmaßliches Mitglied der Terrorzelle „Islamischer Staat“ in Dinslaken gefasst. Die Behörden befürchten offenbar islamistische Anschläge auf die Hauptbahnhöfe in Berlin und Dresden sowie Pegida-Demonstrationen. Dazu lägen entsprechende Hinweise vor, bestätigten Sicherheitskreise Informationen des „Spiegel“.