Frühkritik

Thielemanns andere Philharmoniker

Betont zurückgenommen tritt Christian Thielemann vor die Philharmoniker.

Ruhig und klar lässt er Liszts Sinfonische Dichtung „Orpheus“ fließen. Dunkel schwelgen die Streicher, behutsam blühen die Bläser. Hans Werner Henzes „Sebastian im Traum“ knüpft dicht an diesen Liszt an. Ein neuromantisches Nachttableau, klangpoetisch bis ins Detail, von Thielemann hingebungsvoll zusammengehalten. Als begnadeter Beethoven-Baumeister kehrt der 55-jährige Maestro nach der Pause zurück. Mit einer unbeirrbar vorausschauend zelebrierten „Eroica“. Ganz anders als sonst klingen die Philharmoniker unter Thielemann – ehern und erdig. Im Publikum raunt es aufgeregt: Dirigiert hier womöglich der Nachfolger von Sir Simon Rattle?