Medien

„Lügenpresse“ ist Unwort des Jahres 2014

Auf Demonstrationen von islamfeindlichen Pegida-Anhängern taucht es immer wieder auf: „Lügenpresse“.

Aus 1246 Einsendungen wählte die Jury der „sprachkritischen Aktion“ diesen Begriff zum Unwort des Jahres 2014. Denn Medien würden damit pauschal diffamiert, sagte die Jurysprecherin Nina Janisch am Dienstag in Darmstadt. „Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.“

Das Wort „Lügenpresse“ sei bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff der Nationalsozialisten gewesen, kritisierte die Jury. Gerade dass diese „sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks“ einem Großteil derjenigen, die ihn seit Herbst 2014 als „besorgte Bürger“ skandieren, nicht bewusst sein dürfte, mache ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen.

Auf dem zweiten Platz landete „erweiterte Verhörmethoden“, aktuell geworden durch den Bericht über CIA-Foltermethoden 2014. In der Berichterstattung habe sich der Begriff zu „einem dramatisch verharmlosenden Terminus technicus entwickelt“. Der Ausdruck werde beschönigend gebraucht für Folter. „Dass man sich die Sprache der Täter mit dieser Übernahme zu eigen macht und damit akzeptiert, ist bedauerlich“, sagte die Jury.

Auf dem dritten Platz landete „Russland-Versteher“, weil er das positive Wort „verstehen“ diffamierend verwende. Das Bemühen, fremde Gesellschaften und Kulturen zu verstehen, sollte Grundlage einer jeden Außenpolitik sein, kritisierte die Jury.

Zwar stimmten die meisten Einsendungen für „Pegida“ als Unwort des Jahres, aber die Jury sprach sich dagegen aus. Vor dem Hintergrund der Anschläge in Paris habe man die Bewegung nicht zu sehr ins Rampenlicht rücken wollen. Aber indirekt sei die Rüge an der Pegida über das Unwort des Jahres „Lügenpresse“ doch erfolgt, sagte Jurysprecherin Janisch.