Demonstrationen

Merkel: Islam gehört zu Deutschland

Tausende protestieren gegen Bärgida-Bewegung in Berlin. Heute erneut Großkundgebung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumt dem Islam einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft ein. Sie betonte am Montag bei einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu, Deutschland wolle ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen. Unter Verweis auf eine Äußerung des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) sagte sie: „Der Islam gehört zu Deutschland – und das ist so, dieser Meinung bin ich auch.“ Es gebe aber sicherlich die „Notwendigkeit, den Dialog zwischen den Religionen noch zu verstärken“.

In Berlin protestierten am Abend rund 4000 Menschen gegen einen Aufzug der islam- und asylkritischen Bärgida-Bewegung am Brandenburger Tor. Ihnen standen etwa 400 Anhänger des Berliner Pegida-Ableger gegenüber. Der Demonstrationszug von Bärgida kehrte nach rund 500 Metern wieder zum Ausgangsort an den Pariser Platz zurück. Eigentlich war ein Marsch bis zum Roten Rathaus geplant. Grund dafür war eine sich abzeichnende Blockade von Gegendemonstranten auf der Straße Unter den Linden. Nach Auskunft der Polizei blieb es auf beiden Seiten friedlich.

900 Polizisten waren im Einsatz, fast zwei Stunden standen Bärgida-Anhänger auf der einen und ihre Gegner auf der anderen Seite des Brandenburger Tors. Die Polizei hielt beide Gruppen weit auf Distanz. Die 4000 Gegendemonstranten waren vom Kanzleramt bis zum Brandenburger Tor gezogen. Nach der Ankunft dort verließ ein Teil von ihnen den Versammlungsort. Auf Seiten der Pegida-Gegner gingen auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) mit. Auch in Dresden, Leipzig und anderen Städten gingen am Montagabend wieder Tausende Pegida-Anhänger und Gegendemonstranten auf die Straße. In Marzahn-Hellersdorf protestierten nach Polizeiangaben am Montagabend rund 300 Menschen gegen eine neue Flüchtlingsunterkunft. Etwa 90 Gegendemonstranten hätten ihnen gegenübergestanden, sagte ein Polizeisprecher.

Am heutigen Dienstag soll um 18Uhr vor dem Brandenburger Tor eine Mahnwache für Toleranz und Weltoffenheit in Deutschland stattfinden. Zur Veranstaltung aufgerufen haben der Zentralrat der Muslime in Deutschland und die Türkische Gemeinde Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck wird dort eine kurze Ansprache halten. Teilnehmen werden auch Merkel sowie zahlreiche weitere Regierungsmitglieder. „Damit geben wir ein wichtiges Zeichen an das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen“, betonte Merkel.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Berlin, Bekir Yilmaz, begrüßte den Entschluss der Politiker, sich der Mahnwache anzuschließen. Der Morgenpost sagte Yilmaz, dass er dankbar sei, dass alle Parteien übergreifend etwas tun. „Uns allen geht es um Freiheit, Demokratie und Pluralismus. Wir sind gegen Hass und Gewalt.“ Bekir Yilmaz, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Berlin, sagte, dass es jetzt darum gehe, Vorurteile und Klischees aus der Welt zu schaffen. „Wir müssen rausgehen und noch stärker als bisher das Gespräch mit den Menschen suchen.“ Er wolle das Gleiche für seine Kinder wie deutsche Eltern auch. „Sie sollen eine gute Ausbildung bekommen und in Frieden und Wohlstand leben können.“ Yilmaz hofft, dass viele Menschen an der Mahnwache teilnehmen. „Vor der französischen Botschaft werden wir einen Kranz in Gedenken an die Opfer niederlegen“, sagte er.

Die Polizei in der Hauptstadt sieht sich für die heutige Veranstaltung gut vorbereitet. Man werde mit zahlreichen Einsatzkräften für die Sicherheit sorgen. „Unsere Sicherheitsmaßnahmen sind ohnehin auf hohem Niveau und werden selbstverständlich der aktuellen Lage angepasst“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Morgenpost. Einzelheiten der Schutzmaßnahmen würden jedoch nicht kommuniziert.