Terrorwelle

Polizei erschießt Terroristen – Trauer um tote Geiseln

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Dramatische Stunden in Frankreich: Am Abend griff die Polizei an zwei Orten zu

Es war eine beispiellose Terrorwelle, die am Freitagabend endlich ihr Ende fand: Nach zwei Geiselnahmen und Schießereien hat die französische Polizei die mutmaßlichen Attentäter auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ getötet. Wie am frühen Abend bekannt wurde, stürmten Eliteeinheiten gegen 17 Uhr eine Druckerei rund 50 Kilometer nordöstlich von Paris, in der sich die beiden Brüder Said und Chérif Kouachi schwer bewaffnet mit einer Geisel verschanzt hatten.

Zeitgleich beendete die Polizei eine Geiselnahme in einem jüdischen Lebensmittelgeschäft in Paris. Auch hier hatte ein Attentäter mehrere Menschen stundenlang in seine Gewalt gebracht. Der Täter wurde bei dem Übergriff getötet. Mindestens vier Geiseln verloren zudem ihr Leben.

Vorausgegangen war beiden Aktionen ein stundenlanger Nervenkrieg. Die beiden Hauptverdächtigen des „Charlie Hebdo“-Attentats waren der Polizei zuvor trotz eines unvergleichlichen Großaufgebots und der höchsten Terrorwarnstufe zwei Tage lang entwischt. Fast 90.000 Einsatzkräfte waren an der Suche nach ihnen beteiligt. Erst rund zehn Kilometer vor dem Flughafen Charles de Gaulle konnten die Brüder nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei gestoppt werden. Nach einer Schießerei folgte dann die Geiselnahme in der kleinen Druckerei in dem 8000-Einwohner-Dorf Dammartin-en-Goële am Freitagmorgen.

Die Einsatzkräfte nahmen tagsüber telefonisch Kontakt mit den Gesuchten auf. Dabei sollen die beiden angekündigt haben, den Märtyrertod sterben zu wollen, wie der Abgeordnete Yves Albarello im Fernsehen sagte. Zugleich riegelten schwer bewaffnete Anti-Terror-Polizisten das Dorf ab, keiner kam mehr hinein oder heraus, Hubschrauber kreisten. Zugleich hatte ein Mann in Paris das jüdische Geschäft überfallen. Es soll sich dabei laut Medien um denselben Täter handeln, der bereits am Donnerstag eine Polizistin am südlichen Stadtrand von Paris erschossen hatte. Er war seither auf der Flucht. Französische Medien berichteten, er habe beim Betreten des Ladens gerufen: „Ihr wisst, wer ich bin.“

Der Angreifer soll Mitglied der Dschihadisten-Gruppe gewesen sein, zu der auch die mutmaßlichen „Charlie Hebdo“-Attentäter gehörten. Diese hatten am Mittwoch die Redaktion des Satire-Magazins überfallen und zwölf Menschen getötet. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohte mit einer größeren Terrorkampagne und weiteren Angriffen in Europa und den USA.

Auch nach den Worten von Frankreichs Präsident François Hollande besteht die Bedrohung fort. „Ich rufe Sie zur Wachsamkeit auf“, sagte der Staatschef am Freitagabend in einer Fernsehansprache. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief die Europäer zu einer gemeinsamen Verteidigung ihrer Werte auf. Zudem erklärte sie, sie werde am Sonntag wie einige andere europäische Politiker auch an der Gedenkveranstaltung für die Opfer in Paris teilnehmen.

Die Ereignisse in Frankreich entfachten aber auch den Streit über schärfere Gesetze zur Terrorabwehr in Deutschland neu. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) unterstützte einen Vorstoß der CSU, die Vorratsdatenspeicherung – eine systematische Speicherung von Telefon- und Internetdaten – wieder zu erlauben. Justizminister Heiko Maas (SPD) hält davon nichts: „Purer Aktionismus stoppt keine Terroristen.“ Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbände kündigten am Freitag zugleich einen neuen „Aufstand der Anständigen“ an.