Arbeitsmarkt

Berlin: Zahl der Arbeitslosen sinkt erneut

Das Job-Coaching für Erwerbslose ist erfolgreich. Menschen finden nach langer Zeit wieder eine Beschäftigung in der Stadt

Gute Nachrichten vom Berliner Arbeitsmarkt zum Jahresende: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 4650 auf 62.856 gesunken. Damit beträgt der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen 32,8 Prozent (minus 1,1 Prozentpunkte). Dieser Erfolg steht im Gegensatz zum Bundestrend. In Deutschland insgesamt stieg die Anzahl der Langzeitarbeitslosen in diesem Zeitraum um 1,4 auf 38,3 Prozent. Das geht aus einem Bericht der Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Bei der Entwicklung der Arbeitslosenquote insgesamt steht Berlin ebenfalls besser da als der Bund. In der Hauptstadt ging die Quote binnen eines Jahres von elf auf 10,4 Prozent zurück, im Bund nur um 0,2 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent.

Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei in Berlin gestiegen, sie liege nun bei knapp 1,3 Millionen, so Kolat. Dennoch sei eine aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. „Wir brauchen sie, damit der Aufschwung auch bei den Arbeitslosen ankommt“, sagte sie. Beschäftigungszuwachs bedeute in Berlin nicht automatisch Abbau von Arbeitslosigkeit. Viele sozialversicherungspflichtige Jobs bekommen Zuzügler und Pendler.

Die Senatorin führt die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen auf den Erfolg des Berliner Job-Coachings zurück. Dabei werden die Betroffenen individuell betreut, während sie im Rahmen eines Beschäftigungsprojekts arbeiten. Die Betreuer gehen auf die Probleme ein, die die Qualifikation der Arbeitslosen für den ersten Arbeitsmarkt beeinträchtigen, kümmern sich gegebenenfalls auch um Verschuldung oder Suchtprobleme der Arbeitslosen. „Wir haben vor zwei Jahren 20.000 bis 22.000 Menschen identifiziert, die in Beschäftigungsmaßnahmen sind. 10.000 davon haben sich freiwillig auf das Coaching eingelassen, also die Hälfte der Angesprochenen“, sagte Kolat. „Das sind Traumzahlen.“

Aufgrund dieser Ergebnisse sieht sich Berlin in einer Vorreiterrolle. „Berlin hat die Federführung unter den Bundesländern zum Umgang mit Langzeitarbeitslosen übernommen, um ein Konzept auf Bundesebene zu entwickeln“, sagte die Arbeitssenatorin. Dabei solle das intensive individuelle Coaching der Langzeitarbeitslosen während der Beschäftigungsmaßnahme im Mittelpunkt stehen. Außerdem müsse die Dauer der Programme geändert werden: „Die Zielsetzung, diese Menschen nach zwei Jahren wieder im ersten Arbeitsmarkt zu haben, ist zumeist irreal. Wir haben uns auf der Arbeitsministerkonferenz für eine Rechtsänderung auf Bundesebene eingesetzt, dass diese Instrumente mindestens fünf Jahre laufen.“ Um die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, soll noch in diesem Jahr eine Jugendberufsagentur in Berlin ihre Arbeit aufnehmen.