Senat

Neue U-Bahnen für Berlin

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) kündigt Investitionen in den Nahverkehr an

– Berlins neuer Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen will bei künftigen Investitionen der Hauptstadt neue Prioritäten setzen. Neben dem Bau preiswerter Wohnungen und der Energieeffizienz nannte der Sozialdemokrat in seinem ersten Zeitungsinterview nach seinem Amtsantritt am Donnerstag als Schwerpunkt den Personennahverkehr. „Verkehr ist eines der wichtigsten Themen der Stadt“, sagte Kollatz-Ahnen der Berliner Morgenpost. Es gebe einen „erheblichen Investitionsbedarf“ beim „rollenden Material“.

Damit meint er in erster Linie neue U-Bahnwagen für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). In dem Landesunternehmen wird Kollatz-Ahnen von seinem Amtsvorgänger Ulrich Nußbaum den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen. Nußbaum hatte jedoch einen anderen Schwerpunkt – und für die kommenden Jahre stets die Sanierung und Modernisierung von Krankenhäusern als wichtigstes Thema für zusätzliche Ausgaben genannt.

Kollatz-Ahnen reagiert mit seiner Ankündigung auf eine Problemlage, die BVG-Chefin Siegrid Nikutta schon seit Jahren benennt. Die BVG sei dringend auf planbare Investitionsfördermittel angewiesen, heißt es auch im Geschäftsbericht. Bis 2020 seien rund 360 Millionen Euro nötig, davon etwas weniger als die Hälfte für neue U-Bahnen und Straßenbahnwagen. Während die BVG ihre neuen Busse aus eigenen Mitteln beschafft, übersteigt die Dimension für die Schienenfahrzeuge die Möglichkeiten der BVG. Zuletzt hat sie eine schwarze Null erwirtschaftet, ist aber weiterhin mit 800 Millionen Euro verschuldet.

Die Flotte der 1240 U-Bahnwagen, die mit 1,35 Millionen Fahrgästen täglich die Hälfte der BVG-Kunden befördern, ist völlig überaltert. Die schmaleren Wagen für das sogenannte Kleinprofil auf den Linien U1 bis U4 sind im Durchschnitt 27 Jahre alt. Die breiteren Großprofile, die als U5 bis U9 im Einsatz sind, bringen es auf rund 25 Jahre. Nikutta hält ein Durchschnittsalter von 20 Jahren für gesund. Manche BVG-Züge sind jedoch schon mehr als 40 Jahre unterwegs und entsprechend schadensanfällig.

Zwar lässt die BVG derzeit 78 Doppeltriebwagen in Leipzig aufarbeiten, aber es fehlen Reserven, um auf stark nachgefragten Linien einen engeren Takt anzubieten. Auch bei den Straßenbahnen sind noch immer alte Tatras aus tschechoslowakischer Produktion im Einsatz. Für die Tram hat die BVG aber die Beschaffung von 142 neuen Bahnen des Typs Flexity gestartet. Nikutta möchte bei den U-Bahnen bis 2018 60 Prozent der Kleinprofilwagen und die Hälfte der Großprofilzüge ersetzen. Das bedeutet jedes Jahr 42 breite und zwölf schmalere neue Wagen. In welchem Umfang er diese Forderungen der BVG aufgreifen will, ließ Kollatz-Ahnen offen. Wegen des langen Vorlaufs für Entwicklung und Produktion der Fahrzeuge würden zwischen einer Investitionsentscheidung und dem ersten Einsatz der neuen Bahnen mindestens fünf Jahre vergehen. Der neue Finanzsenator warnte angesichts der Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen davor, den Kurs der Haushaltskonsolidierung infrage zu stellen. Wenn die Wirtschaft der Stadt weiter wachse, sei der Schuldenberg zu beherrschen.