Kriminalität

Schäfchen in Ketten

Die Adventszeit ist natürlich auch Weihnachtsmarktzeit. Und die Weihnachtsmarktzeit ist Glühweinzeit. Und dann passieren komische Dinge, beispielsweise in der schönen Stadt Gießen.

Dort dezimierte sich die große Weihnachtskrippe auf dem Kirchenplatz in der Innenstadt in atemberaubender Schnelligkeit: Erst verschwand die lebensgroße Maria, dann entwischte plötzlich ein kleines Schaf nach dem anderen. Offenbar waren Diebe am Werk. Doch keine wirklich Bösen, denn bei ihnen meldete sich das schlechte Gewissen, als ein Radiosender über den Fall berichtete. Und siehe da: Erst tauchte Maria nachts wieder auf, dann ein Schäfchen. Die Figuren wurden heimlich hinter die Krippe gestellt.

Ein weiteres Schaf aus Sperrholz wurde bei einer Anwältin abgegeben. Von zwei Jungs, die dann auch unumwunden zugaben, Mist gebaut zu haben. „Sie sagten uns, das Schaf sah so unglücklich aus, als würde es frieren“, sagte eine Kanzleimitarbeiterin dem Radiosender FFH. Vom Glühwein war zwar nicht ausdrücklich die Rede, aber der Gedanke liegt irgendwie doch nahe. Trotzdem: Pfarrer Klaus Weißgerber geht jetzt auf Nummer sicher und lässt alle Figuren mit einem kräftigen Stahlseil sichern: „Ich finde das traurig, dass wir das machen müssen.“ Denn nicht immer kommt bei den Tätern Reue auf. 2006 verschwand die mannshohe Joseffigur – und tauchte nie wieder auf.