Pannen-Baustelle

Sanierung der Staatsoper wird 93 Millionen Euro teurer

Kosten für den Umbau steigen auf rund 390 Millionen Euro. Eröffnungstermin ist unklar

Nach dem Flughafen BER hat der Berliner Senat die nächste Pannen-Baustelle: Die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden in Mitte wird um rund 93 Millionen Euro teurer. Dies gab die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Mittwoch nach einer Baustellenbesichtigung mit Journalisten im Bauausschuss bekannt. Damit steigen die Gesamtkosten für das Projekt auf 389 Millionen Euro.

Ursprünglich sollte der Umbau des Opernhauses rund 296 Millionen Euro kosten. 200 Millionen Euro davon übernimmt die Bundesregierung, die restliche Summe muss Berlin aufbringen. Für das Land ist das eine enorme zusätzliche Belastung.

Doch damit nicht genug: Frühestens im Herbst 2017 kann das Ensemble von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Intendant Jürgen Flimm den vollen Spielbetrieb wieder aufnehmen, sagte Senatsbaudirektorin Lüscher. Die Staatsoper Unter den Linden war im Sommer 2010 für die Sanierungsarbeiten geschlossen worden. Seitdem spielt das Ensemble im Schiller Theater an der Bismarckstraße in Charlottenburg. Vor vier Jahren war der Zeitplan ein anderer: Damals hieß es von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Staatsoper könne schon im Herbst 2013 in ihr Stammhaus Unter den Linden zurückkehren.

Gründe für die Kostensteigerung nannte die Senatsbaudirektorin mehrere. So hätten sich die Planungs- und Bauzeiten in Folge der „schlechten Bausubstanz“ der Staatsoper deutlich verlängert. Die Insolvenz eines Planungsbüros habe „die Kosten- und Terminentwicklung“ erschwert und belastet. Außerdem habe man den Baugrund wegen des Grundwassers vereisen müssen, so Lüscher.

„Die Kosten explodieren und ein Eröffnungstermin ist nicht in Sicht – langsam macht die Staatsoper dem BER Konkurrenz“, sagte der baupolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Andreas Otto, am Mittwoch. Er warf dem Senat vor, dass die Probleme „hausgemacht“ seien. Beispielsweise seien die Bauarbeiten unzureichend vorbereitet gewesen, erklärte Otto. So wurden im Jahr 2012 Holzpfähle, die 17 Meter im Untergrund eingeschlagen worden waren, entdeckt, die die Bauarbeiten deutlich verzögerten. Die geplante unterirdische Verbindung zwischen dem Opernhaus und den Probebühnen konnte deshalb zunächst nicht gegen das Grundwasser isoliert werden. Warum man den Boden nicht zuvor untersucht hatte, obwohl allen Historikern bekannt ist, dass der Grundwasserspiegel in Berlin sehr hoch ist und im 18. Jahrhundert Gebäude deshalb auf Holzpfählen errichtet wurden, blieb schon damals offen. Es hieß nur, normalerweise seien die Pfähle nur fünf Meter tief in den Boden geschlagen, mit einem solchen Problem habe man nicht gerechnet.

Auch für den künftigen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), der am kommenden Donnerstag im Abgeordnetenhaus gewählt werden will, kommt die Hiobsbotschaft zur Staatsoper zur Unzeit. Denn Müller, der Ende 2011 Stadtentwicklungssenator in Berlin wurde, ist in dieser Funktion für den Umbau der Staatsoper verantwortlich. „Senator Müller selbst hat sich seinen Mini-BER geschaffen, der ihn nun auch als Regierender Bürgermeister und Kultursenator begleiten wird“, sagte der Grünen-Abgeordnete Otto. Der Flughafen BER sollte, wie berichtet, im Jahr 2012 eröffnet werden. Wegen der Probleme mit der Brandschutzanlage ist jedoch unklar, wann er in Betrieb gehen kann. Die Kosten liegen derzeit bei rund fünf Milliarden Euro – doppelt so viel wie geplant.