Karaseks Woche

Hähnin und Hühnin

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Über den Gender-Wahn im Supermarkt

Letzte Woche ist bei Facebook die Werbeannonce eines Supermarktes in Österreich erschienen, die ein Angebot an Geflügelfleisch mit folgendem Text bewarb: „Hühnerinnen-Filet“.

Der es ins Internet stellte, wollte wohl einen besonders feministischen Auswuchs, besser: eine Auswüchsin von Sprachpolizeineuordnung brandmarken: „Hühnerinnen“, das ist sozusagen doppelt gemoppelt, päpstlicher, als es der Papst erlaubt. Oder nach Leipziger Schule: Päpstinnenlicher, als es die Päpstin erlaubt. Denn in Leipzig gibt es im Zuge der Bekämpfung des Sprach-Machismo nur noch Professorinnen, ob Männlein oder Weiblein oder weder noch. Also auch nur Hühner, niemand ist mehr die Hähnin im Korb, sodass man, was das Fleisch betrifft, die Hahnin von der Hennin dadurch unterscheiden zu müssen glaubt, dass man ihr als Huhn, das kein Hühne ist, noch ein „innen“ anhängt – so wie es Grass schon im vorauseilenden feministischen Romantitel „Die Rättin“ tat. Weiblicher geht die Ratte gar nicht. Auch doppelt gestrickt.

Mich erinnert das an den Witz der Machozeit. Wo der kräftige, attraktive Stier Hannibal durch Stacheldraht abgetrennt von seinem Kühe-Harem lebte. Sie sehnten sich nach ihm: „Hannibal, komm rüber!“ Sie sägten so lange an ihm, bis er den gefährlichen Sprung riskierte, wobei er sich – nun ja – enteierte – und ohne „Balls“ bei seinen Frauen landete. „Hannibal, bist du da!“, flöteten die Kühe. Und er seufzte: „Ihr dürft ‚Hanni‘ zu mir sagen!“ In Leipzig wäre er, hätte es ihn auf die Uni verschlagen, ohnehin als Stier wie als Ochse „Hanniballerina“ genannt worden. Und in Berlin bei der Gender-Forscherin Professx Lann Hornscheidt „Rindviehx“. Oder so. Und im Sozialismus hätte es mit Honecker geheißen: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochsin noch Eselin auf.“

Aber dann regte sich ein Nichtveganer bei Facebook auf. Ob denn die Spötter nicht wüssten, dass es Hühner-Innenfilet und Hühner-Außenfilet gebe. Und so war alles für die Katz. Für der, die, das Katzx.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost