Unterbringung

Berlin sucht Privatwohnungen für Flüchtlinge

Integrationsbeauftragte startet Werbeaktion und appelliert an Immobilienbesitzer. Die Miete trägt das Land. Zahl der Asylbewerber steigt

Angesichts des steten Zustroms von Asylbewerbern will der Berliner Senat Flüchtlinge verstärkt in Wohnungen privater Eigentümer unterbringen. Um sie zu motivieren, ihre Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten, hat die Integrationsbeauftragte des Senats, Monika Lüke, eine 20.000 Euro teure Werbekampagne gestartet. Dabei sollen ab dem heutigen Freitag 800 Werbeplakate in U-Bahnen und Bahnhöfen aufgehängt werden. Der Titel: „Vermieten Sie Wohnraum – helfen Sie Flüchtlingen“.

Die Miete wird den Eigentümern vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) erstattet, das der Senatsverwaltung für Soziales untersteht. Für eine Ein-Zimmer-Wohnung für einen alleinstehenden Flüchtling sollen es nicht mehr als 420 Euro (Bruttowarmmiete) sein. Für jede weitere Person kommen rund 100 Euro hinzu. Das ist laut Lageso günstiger als die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften. Der Zustand der Wohnungen soll anhand von Grundrissen und Fotos überprüft werden. Bei der Besichtigung durch die Flüchtlinge nehme ein vom Lageso beauftragter Betreuer die Wohnungen in Augenschein.

Die Vermittlung und die Beratung der Flüchtlinge übernimmt das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF). Die Einrichtung beschäftigt dafür seit Februar sieben Mitarbeiter in der Turmstraße in Moabit. Nach eigenen Angaben hat die Stelle bisher 427 Flüchtlingsfamilien in Wohnungen vermittelt, darunter 275 in Wohnungen, die im Rahmen eines mit dem Senat vereinbarten Kontingents von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften bereitgestellt werden. Die meisten vermittelten Flüchtlinge kommen aus Syrien, Tschetschenien, Afghanistan oder Pakistan. 2500 weitere würden noch eine Wohnung suchen. Da viele zu einer Familie gehörten, würden geschätzt rund 500 Wohnungen fehlen, sagte EJF-Vorstandssprecher Andreas Eckhoff. Allen könne man mit der Kampagne nicht eine Wohnung vermitteln. „Wir hoffen aber auf einen erheblichen Zuwachs“, sagte Eckhoff.

Mit den Plakataufrufen reagiert Lüke auf die stark gestiegene Zahl von Asylbewerbern. Bis Ende des Jahres werden in der Hauptstadt voraussichtlich 2000 neue Flüchtlinge angekommen sein. Sie werden zunächst in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Drei Monate nach der Ankunft sollen sie in Privatwohnungen umziehen. „Es gibt ein Recht auf Privatsphäre und eine Wohnung, und Flüchtlinge sind besonders schutzbedürftig“, sagte Lüke. Tatsächlich wohnen nur etwa 8000 Flüchtlinge in Wohnungen. Die meisten erwarten den Abschluss ihrer Asylverfahren, oft mehrere Jahre, in Gemeinschaftsunterkünften. Dort leben zurzeit fast 12.000 Flüchtlinge. Die belegten Plätze fehlten, um Neuankömmlinge unterzubringen.