Berlin-Trend

So wächst Berlin zusammen

Berlin Trend: Eine große Mehrheit sieht die Entwicklung seit dem Mauerfall positiv

– 75 Prozent der Berliner fühlen sich als Bürger einer geeinten Stadt und nicht als West- oder Ostberliner. Dabei ist unerheblich, wo man die Frage nach dem Selbstverständnis stellt: Im Ostteil beantworten sie 76 Prozent entsprechend, im Westteil 74 Prozent. Nur 17 Prozent der Menschen in den Ostbezirken sehen sich eher als Ost-Berliner, 21 Prozent der Menschen im Westteil als West-Berliner. Damit ist die Einheit in den Herzen der meisten hier lebenden Bürger offensichtlich angekommen, sie bekennen sich zur gesamten Stadt. Das hat der aktuelle „Berlin Trend“ der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“ ergeben. Er soll Aufschluss darüber geben, wie weit der Einigungsprozess in der Stadt 25 Jahre nach dem Mauerfall tatsächlich vorangeschritten ist.

In den untersuchten Altersgruppen sind kaum Unterschiede auszumachen. Vier von fünf der 18- bis 29-Jährigen fühlen sich als Berliner, das ist der Spitzenwert. Am unteren Ende der Skala, aber immer noch mit 70 Prozent, stehen nicht etwa die Senioren, sondern die 45- bis 59-Jährigen.

Grundsätzlich ist die aus der Geschichte herrührende Identifikation mit der Stadthälfte im Westteil stärker ausgeprägt als im Ostteil. So fühlen sich 33 Prozent der über 45-Jährigen eher als West-Berliner, aber nur 17 Prozent derselben Altersgruppe als Ost-Berliner. Bei den 18- bis 29-Jährigen spielt die Frage „Ost oder West“ kaum noch eine Rolle. In dieser Gruppe sehen sich neun Prozent als West- und fünf Prozent als Ost-Berliner.

Eine weitere Frage zielte auf die Einschätzung, ob der Mauerfall eher positive oder eher negative Auswirkungen hatte. Eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent der Berliner sagt, der Fall der Mauer habe ihnen persönlich Vorteile gebracht. 15 Prozent sehen ihn negativ und 23 Prozent meinen, Vor- und Nachteile würden sich die Waage halten. Es gibt also nach wie vor Berliner, die vom Lauf der Geschichte nach dem 9. November 1989 enttäuscht sind, die meisten halten ihn aber offenbar für eine gute Sache. In den Ostbezirken teilen mit 61 Prozent mehr Menschen die positive persönliche Einschätzung, im Westteil sind es 54 Prozent. Bei den Befragten mit Abitur sagen sogar stadtweit 75Prozent, der Mauerfall habe ihr Leben vorteilhaft beeinflusst.

Auch der Anteil derjenigen, die meinen, der Mauerfall habe ihnen eher Nachteile beschert, ist im Westteil mit 17 Prozent höher (Ostteil: 13 Prozent). Je älter die Befragten sind, desto weniger positiv sehen sie die Veränderungen. Zwei Drittel der 18- bis 45-Jährigen betonen die Vorteile, aber nur knapp die Hälfte der Über-60-Jährigen. Allerdings sehen lediglich 18 Prozent der Älteren den Mauerfall eher negativ. 32 Prozent meinen, Vor- und Nachteile hielten sich die Waage. Der „Berlin Trend“ gibt auch Antworten auf die Frage, ob die Berliner sich inzwischen vorstellen können, in einen Bezirk der anderen Stadthälfte zu ziehen. Zudem beleuchtet er Einschätzungen der Berliner zu den Lebensverhältnissen in der Stadt. Das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap hat für den „Berlin Trend“ 1001 wahlberechtigte Berliner befragt.

Am kommenden Sonntag, den 9. November, wird der 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin groß gefeiert. Im Mittelpunkt steht dabei die „Lichtgrenze“: Tausende leuchtende Heliumballons zeichnen auf einer Länge von 15 Kilometern den Verlauf der Berliner Mauer nach.