Energieversorger

Vattenfall gibt Braunkohle in der Lausitz auf

Schwedischer Staatskonzern plant Verkauf von Tagebau und Kraftwerken. 9000 Beschäftigte betroffen. Bisher kein Zeitplan festgelegt

Der Energieversorger Vattenfall plant den Braunkohleausstieg. Das Unternehmen sucht nach einem Käufer für Tagebau und Kraftwerke in Brandenburg und Sachsen. Betroffen sind rund 9000 Beschäftigte in der Region. Vattenfall will sich in Deutschland auf erneuerbare Energien, Fernwärme, Stromvertrieb und -handel konzentrieren. Die Berliner Vattenfall-Kraftwerke will das Unternehmen nicht verkaufen.

Konzernchef Magnus Hall verkündete den Ausstieg bei Vorlage der Neunmonatszahlen in Stockholm praktisch nebenbei. Einzelheiten nannte er nicht, etwa wer Käufer sein könnte, wie der Zeitplan aussieht und welchen Wert die Tagebaue und Kraftwerke haben. Nur dass Vattenfall im engen Kontakt mit den Landesregierungen der beiden Bundesländer stehe. Und Geld mit dem Braunkohlestrom verdiene. Vattenfall mit zuletzt mehr als 30.000 Beschäftigten gehört dem schwedischen Staat. Vor wenigen Wochen hatte die neue schwedische Regierung bereits beschlossen, Vattenfall müsse sich bis 2040 aus dem Geschäft mit der Braunkohle zurückziehen. Jetzt geht es vermutlich schneller.

Vattenfall prüft, Förderung und Verstromung der Braunkohle in Teilen oder komplett zu verkaufen. Der Konzern hat mit sinkenden Großhandelspreisen zu kämpfen, weil die Menge an Strom aus erneuerbaren Energien kräftig gestiegen ist. Klassische Kohle- und Gaskraftwerke rechnen sich kaum noch. Darunter leidet in Deutschland nicht nur Vattenfall, sondern auch der Konkurrent RWE, der viele Kohlekraftwerke betreibt. Vattenfall-Chef Hall rechnet auch für 2015 nicht damit, dass sich der Markt verbessert. Die Zahlen sahen entsprechend schwach aus, mit einem Verlust in den ersten neun Monaten des Jahres 2014.

Das Unternehmen investiert bereits seit 2010 nur noch in erneuerbare Energien. Zuletzt kündigte Vattenfall an, einen zweiten Windpark mit den Münchner Stadtwerken in der Nordsee zu bauen. Außerdem will der Konzern seinen Kohlendioxidausstoß deutlich senken. Braunkohle ist der Energieträger mit den höchsten CO2-Werten, wenn mit ihm Strom erzeugt wird.

Der geplante Verkauf bedeutet nicht, dass Vattenfall sich aus dem deutschen Markt zurückzieht. Für die Vattenfall-Kunden werde sich nichts ändern, das Unternehmen liefere weiter Strom, sagte ein Sprecher. Auch am Fernwärmegeschäft halten die Schweden fest. Und das Unternehmen will weiter das Berliner Stromnetz betreiben. Das Ausschreibungsverfahren dafür hat der Senat gerade gestoppt, es soll erneut ausgeschrieben werden. Vattenfall-Chef Hall sieht in Deutschland sogar den wichtigsten Wachstumsmarkt seines Unternehmens. Auch nach dem Verkauf sei das Geschäft hier größer als im Heimatmarkt Schweden.

Als mögliche Käufer wurden später am Donnerstag die Mitteldeutsche Braunkohle AG (Mibrag), die zum tschechischen Energiekonzern EPH gehört, sowie die Finanzinvestoren KKK, Blackstone und CVC genannt. Auch über eine Beteiligung Brandenburgs und Sachsens wurde spekuliert. Vattenfall kommentierte das nicht.

„Wir wollen eine gute Lösung“, sagte Hall, die nachhaltig sein solle. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte rasche Gespräche. Vattenfall ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch ein großer Auftraggeber für die Industrie und das Gewerbe in Ostdeutschland. Dem Konzern zufolge erhielten 2013 mehr als 1700 Firmen in Brandenburg und Sachsen Aufträge im Gesamtwert von rund 660 Millionen Euro.

In der Lausitz fördert Vattenfall in Jänschwalde, Cottbus-Nord, Welzow-Süd, Nochten und Reichswalde Braunkohle. Zudem betreibt das Unternehmen die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe (beide in Brandenburg) sowie Boxberg und Lippendorf (Sachsen).