Forschung

BER macht glücklich

Eine tiefenpsychologische Studie offenbart neue Seiten von Berlin

Ein Gefühl zu beschreiben, ist manchmal ziemlich schwer. Vor allem, wenn es um große Gefühle geht, um Liebe zum Beispiel, um Hass – oder um Glück. Alle drei können wahnsinnig machen. Und jeder empfindet anders. Manche brauchen Schokolade, um glücklich zu sein, andere eine Stunde Ausdauersport. Viele schütten bei beruflichem Erfolg Endorphine aus, anderen reicht ein Blick auf das Meer. Auch große Philosophen haben längst nach den Eigenarten des Glücks gesucht: „All unser Streben ist ausgerichtet auf ein glückliches Leben“, sagte Aristoteles. Der französische Autor Victor Hugo stellte fest: „Das höchste Glück des Lebens besteht in der Überzeugung geliebt zu werden.“

Nur halb so schwierig ist die Annäherung an den Glücksbegriff für alle, die in Berlin leben. Das hat eine neue, tiefenpsychologische Studie ergeben. Das Marktforschungsinstitut Rheingold hat Großstädter in ganz Europa befragt und herausgefunden: Berlin macht glücklich. Die Hauptstadt erfülle unverzichtbare Voraussetzungen für Lebensfreude, drei von vier Berlinern gehe es so. Interessant ist, dass es offenbar das Unperfekte ist, das dieses Glücksgefühl erzeugt: Die Hindernisse, die Schwierigkeiten des Alltags, die es zu bewältigen gilt. „Berlin kann dich umbringen oder ganz groß rausbringen“, wird ein Studienteilnehmer zitiert. Die Anziehungskraft der Stadt liege in ihrem Entwicklungsversprechen.

Aber was bedeutet das? Würde Berlin weniger glücklich machen, wenn der BER längst fertig wäre? Wenn die S-Bahn immer fährt? Und verfielen wir in Depressionen, wenn im Senat alles bliebe wie es ist und Hertha den Meistertitel holt? Nun ist das alles hypothetisch und – Entschuldigung – unrealistisch. Dennoch ist es eine fantastische Erkenntnis, dass uns tiefenpsychologisch gesehen sogar ein Flughafendesaster glücklich machen kann. Versuchen wir, statt zu meckern einmal dankbar zu sein. Und Dankbarkeit gilt ja schließlich auch als Schlüssel zum Glück.