Tarifkonflikt

14 Stunden Stillstand: Lokführer bestreiken S-Bahn und Fernzüge

Gewerkschaft ruft zum Arbeitskampf auf – von Mittwoch 14 Uhr bis 4 Uhr Donnerstagfrüh

Nichts geht mehr auf Deutschlands Schienen: Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL ihre Drohung wahr gemacht und ihre Mitglieder erneut zum Arbeitskampf aufgerufen. Ab heute 14 Uhr bis zum Donnerstagmorgen, 4 Uhr, soll in der gesamten Bundesrepublik der Bahnverkehr für 14 Stunden lahmgelegt werden. Betroffen vom Ausstand – es ist bereits der vierte innerhalb kurzer Zeit – werden auch die Berliner S-Bahn und der Regionalzugverkehr in Berlin und Brandenburg sein.

Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fahren hingegen in der Stadt wie gewohnt. Trotz des zu erwartenden deutlich stärkeren Fahrgastandrangs soll es bei dem landeseigenen Nahverkehrsunternehmen aber keine zusätzliche Fahrten etwa bei der U-Bahn geben „Wir wollen vor allem Verlässlichkeit anbieten. Das heißt, wir verlängern die Züge, wo es geht. Der Fahrplan bleibt aber wie gewohnt“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost. Für den Fernverkehr hat die Deutsche Bahn (DB) kurzfristig einen Notfahrplan herausgegeben, alle Zugverbindungen sind auf der Internetseite www.bahn.de abrufbar. Fahrgäste, die wegen des Streiks ihre Reise nicht wie geplant antreten können, können sich ihre Fahrkarte oder Reservierung kostenlos in DB-Reisezentren oder DB-Agenturen erstatten lassen.

Besonders betroffen vom Lokführerstreik werden erneut Zehntausende Berufspendler sein, die aus dem Umland zur Arbeit nach Berlin und zurück fahren. Sie können meist nicht auf Verkehrsmittel der BVG umsteigen und müssen daher das Auto oder das Fahrrad nutzen. Aus diesem Grund erwarten Verkehrsexperten bereits für den morgendlichen Berufsverkehr, dass es auf den Zufahrtsstraßen nach Berlin zu deutlich mehr Verkehr kommen wird.

Die zum Bahnkonzern gehörende S-Bahn Berlin GmbH will zumindest für einzelne Umlandverbindungen einen Ersatzverkehr anbieten. Von 13.30 Uhr an bis nachts 1 Uhr sollen demnach Busse auf den Außenästen der Linien S25 (Teltow Stadt – Hennigsdorf) und S8 (Zeuthen – Birkenwerder) fahren. Über Einzelheiten informiert das Unternehmen über die Kunden-Hotline (030-29743333) und auf der Internetseite (www.s-bahn-berlin.de) .

Die GDL begründet den neuerlichen Aufruf zu Arbeitsniederlegungen damit, dass sich die Bahn noch immer weigere, Tarifverhandlungen auch für das Zugpersonal aufzunehmen. Statt über eine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu verhandeln, wolle die Bahn die GDL „in ein Kooperationsabkommen mit ihrer Hausgewerkschaft EVG zwingen“, so der Vorwurf der Spartengewerkschaft. Die GDL fordert für die Lokführer fünf Prozent mehr Lohn und eine Arbeitsverkürzung auf 37 von 39 Stunden pro Woche. Sie will dies auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen oder Disponenten erreichen, die in den Leitzentralen Züge und Personal koordinieren.

Die Bahn reagierte verständnislos auf den Streikaufruf. „Die GDL sollte verhandeln statt streiken. Wenn die GDL es ernst meint mit ihrer Kompromissbereitschaft, dann sollte sie mit uns reden. Angesichts der Vielzahl an Angeboten und Vorschlägen, die seitens der Deutschen Bahn an die GDL gemacht worden sind, ist es ein starkes Stück zu behaupten, die DB wolle nicht über Inhalte sprechen“, heißt es in einer am Abend veröffentlichten Erklärung der Konzernspitze. Jetzt zu streiken sei völlig unverständlich und bringe in der Sache nicht weiter.