Nahverkehr

Neuer Plan: Berliner S-Bahn kommt im Fünf-Minuten-Takt

Unternehmenschef Peter Buchner will Verbesserungen. Der Senat ist noch skeptisch

Was die U-Bahn kann, muss die S-Bahn auch können. Für Peter Buchner ist das der Ansporn für ein neues Ziel: „Innerhalb des Rings sollten die Züge tagsüber alle fünf Minuten fahren“, sagte der Chef der Berliner S-Bahn auf einer Veranstaltung des Fahrgastverbandes Igeb.

Wie sich die Zeiten ändern: Kurz nach seinem Amtsantritt vor fünf Jahren stellte Buchner sich dem fachkundigen Publikum der Igeb-Veranstaltung nur mit polizeilichem Geleitschutz, das war noch zu Zeiten der S-Bahn-Krise. Inzwischen hat der Niederbayer das Unternehmen wieder einigermaßen flott gemacht und sieht es nun offenbar bereit für den nächsten Schritt. Züge alle fünf Minuten, so Buchner, seien für eine Weltstadt wie Berlin mehr als angemessen.

Buchner geht damit auf die Forderungen des Fahrgastverbandes ein. Auch die Igeb verlangt einen Fünf-Minuten-Takt montags bis freitags von 6 bis 20.30 Uhr sowie am Sonnabend (10 bis 20.30 Uhr) und am Sonntag (12 bis 19 Uhr). Dabei geht es bei der S-Bahn vor allem um die Stadtbahn (S5, S7, S75) und den Nord-Süd-Tunnel (S1, S2, S25). Hier kommt es außerhalb der Hauptverkehrszeiten zu Taktlücken von sechs bis sieben Minuten. Diese können laut S-Bahn durch Verbesserungen bei S25 und S75 geschlossen werden. Der Fahrgastverband wünscht sich auch einen dichteren Takt auf der Ringbahn (S41, S42). Sie fährt bisher unter der Woche jeweils neun Stunden pro Tag alle fünf Minuten durchschnittlich. Laut Igeb meiden Fahrgäste außerhalb dieses Taktes die Ringbahn für spontane Fahrten in der Innenstadt, zehn Minuten Wartezeit würden abschrecken.

Doch hat die S-Bahn ausreichend Züge? Die Flottenstärke liegt bei 531 Viertelzügen, 15 weniger als vor der S-Bahn-Krise und 31 weniger als vertraglich vorgegeben. Dazu kommt es regelmäßig zu Ausfällen und Verspätungen, besonders auf der Ring- und der Nord-Süd-Strecke, wo es sich dann schnell staut. Zumindest die Zahl der Züge, so die Igeb, sollte kein Problem sein. „Die Strecken werden teilweise jetzt schon im Fünf-Minuten-Takt bedient, diese Takte müssen nur verlängert werden“, sagt Sprecher Jens Wieseke. Allerdings müssten zusätzliche Lokführer eingestellt werden, so Wieseke.

Beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hält man die Forderung noch für unrealistisch. Es gebe dringlichere Maßnahmen, zum Beispiel die bestellten Verstärkerzüge für die S1 zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz. Doch dies habe die S-Bahn „mit Verweis auf die angespannte Fahrzeugsituation als nicht realisierbar bezeichnet“.

Auch der Senat hält sich bislang zurück. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember gibt es nur eine der geforderten Verbesserungen: Sonnabends wird der Zehn-Minuten-Takt der S75 zwischen Ostbahnhof und Westkreuz ausgedehnt. Für den Sonntag war das laut VBB nicht zu rechtfertigen, weil die Nachfrage zu gering war. Auch einen durchgehenden Zehn-Minuten-Takt der S25 bis und ab Gesundbrunnen, der die Taktlücke auf der Nord-Süd-Verbindung geschlossen hätte, wird es nicht geben. Dafür fahren in Zukunft S1, S2 und S7 länger alle zehn Minuten, und die oft gestörte S2 fährt vor der S1 los, um keine Verspätungen auf die folgenden S-Bahn-Züge zu übertragen.

Auf der Ringbahn bekommt S-Bahn-Chef Buchner aber jetzt einen Fünf-Minuten-Takt – in der Hauptverkehrszeit. Da fuhren die Züge bislang in einem Abstand von vier und sechs Minuten.