Kriminalität

Weniger Straftaten: Bahnhöfe in Berlin werden sicherer

Fälle von Gewalt und Vandalismus gehen zurück. Offensive gegen Taschendiebe geplant

Weniger Körperverletzungen, weniger Sachbeschädigungen, weniger Raub-Straftaten: Berlins Bahnhöfe sind sicherer geworden. Zu diesem Ergebnis sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Deutsche Bahn (DB) nach einem Jahr Sicherheitspartnerschaft gekommen. „Die Zusammenarbeit hat sich bewährt, die Anzahl der Straftaten ist stark rückläufig“, sagte die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta. Objektiv gesehen sei der Nahverkehr mit seinen täglich rund 4,5 Millionen Nutzern sicherer als viele andere Bereiche des öffentlichen Lebens. Allerdings gebe es noch immer Unterschiede zwischen der objektiven und der „gefühlten“ Sicherheit, räumte sie ein.

Nach mehreren schweren Gewalttaten in Berliner U-Bahnstationen vor vier Jahren war eine berlinweite Debatte über die Sicherheit des Nahverkehrs entbrannt. 2011 verabschiedeten der Senat und die BVG daraufhin ein 29 Millionen Euro teures „Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit“, bei dessen Umsetzung ein Großteil der U-Bahnhöfe mit moderner Videoüberwachung ausgestattet wurde. Zudem wurde der zusätzliche Einsatz von je 200 Sicherheitskräften der BVG und der Polizei angekündigt. Während die BVG ihr Sicherheitspersonal entsprechend aufstockte, steht dies bei der Polizei bislang noch aus.

Im September 2013 schließlich vereinbarten die BVG und die Deutsche Bahn eine enge Kooperation auf dem Gebiet der Sicherheit. Dazu gehören etwa gemeinsame Streifen der Sicherheitskräfte von BVG und Bahn auf den Bahnhöfen und in den Zügen, eine Vernetzung der Sicherheitszentralen sowie die Zusammenarbeit bei der Erarbeitung sogenannter Lagebilder, die wiederum Grundlage der Einsatzplanung sind. „Berlin ist damit bundesweit einer der Vorreiter“, sagte der Sicherheitschef der Deutschen Bahn, Gerd Neubeck.

Auch aus seiner Sicht würden die gemeinsamen Streifen im Alltag Wirkung zeigen. Ein Beleg dafür: Die Zahl der in den Bahnhöfen festgestellten Verstöße gegen das Hausrecht habe sich mehr als halbiert. Wurden etwa im November 2013 noch 103 Vorfälle gemeldet, seien es im Juni 2014 nur noch 38 gewesen. Gegen das Hausrecht verstößt, wer zum Beispiel in den Bahnhöfen bettelt, unerlaubt musiziert oder lautstark herumgrölt.

Allerdings: Nicht auf allen Kriminalitätsfeldern fällt die Bilanz so positiv aus. So ist die Zahl der Taschendiebstähle in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Allein im Verantwortungsbereich der BVG sind im Vorjahr 5512 Diebstähle angezeigt worden, fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Der BVG-Sicherheitschef Ingo Tederahn sieht darin jedoch kein Problem des Nahverkehrs. „Das ist ein Trend, der leider in der gesamten Stadt zu verzeichnen ist“, sagte er. Eine immer größere Zahl von Touristen aus aller Welt würde auch international operierende Diebesbanden anziehen. Zudem müsse nicht jeder gemeldete Diebstahl auch tatsächlich im Bahnhof passiert sein. „Viele bemerken den Diebstahl ihrer Geldbörse, wenn sie am Automaten einen Fahrschein kaufen wollen. Die kann ihnen aber bereits vorher im Kaufhaus nebenan gestohlen worden sein“, so Tederahn.

Die Verkehrsunternehmen wollen dennoch auf diese Entwicklung reagieren. DB-Sicherheitschef Neubeck kündigte eine „Herbstoffensive“ gegen Taschendiebe an. Es werde einerseits einen verstärkten Streifeneinsatz an Brennpunkten wie etwa den Bahnhöfen Alexanderplatz, Friedrichstraße oder dem Hauptbahnhof geben. Zum anderen wollen die Unternehmen und die Polizei bei einem Aktionstag am 26. September die Reisenden stärker auf die Gefahr von Taschendiebstählen im Nahverkehr aufmerksam machen – ebenso wie auf Präventionsmöglichkeiten.