Stadtplanung

Wohnungsbau: 670 Millionen Euro werden investiert

Berliner Gesellschaften wollen ihre Häuser sanieren und auch neu bauen – vor allem in Spandau, Reinickendorf und Lichtenrade

Die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften Berlins planen in diesem Jahr Investitionen von mehr als 671 Millionen Euro. Der Großteil davon fällt für die Instandsetzung und Modernisierung an, hier wollen die Gesellschaften Degewo, Howoge, Stadt und Land, WBM, Gewobag sowie Gesobau 527 Millionen Euro einsetzen. Für den Neubau planen die städtischen Wohnungsbaugesellschaften 145 Millionen Euro ein.

Damit steigen die Investitionen auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Im Vergleich zu 2010 wurden mit 240 Millionen Euro rund 55 Prozent mehr investiert. Im Durchschnitt werden damit an jedem Tag fast zwei Millionen Euro in Neubau, Instandsetzung und Sanierung gesteckt. Somit sind 82 Prozent des städtischen Wohnungsbaus teilweise oder vollständig modernisiert, im Vergleich zu 2011 gibt es mittlerweile fast 30.000 sanierte Wohnungen mehr.

„Der hohe Modernisierungsstand bringt den Mietern nicht nur höheren Wohnkomfort und günstige Betriebskosten, sondern ist auch gut für die Umwelt“, sagte Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Donnerstag. Im Vergleich zu 1990 seien die CO2-Emissionen der städtischen Wohnungsbaugesellschaften heute um rund 50 Prozent niedriger. Das entspreche einer Einsparung von 140.000 Tonnen Kohlendioxid.

Müller betonte, dass das 2012 geschlossene Mietenbündnis wirke, da trotz der deutlich gestiegenen Investitionen die Neuvertragsmieten stabil geblieben seien. Bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften lag die Neuvertragsmiete in den Jahren 2012 und 2013 unverändert bei 5,94 Euro pro Quadratmeter und Monat. Im Marktdurchschnitt stiegen die Mieten im gleichen Zeitraum um sechs Prozent an.

Die größten Modernisierungsvorhaben liegen in Spandau, Reinickendorf, Tempelhof-Schöneberg sowie dem Ortsteil Lichtenrade. An Haselhorster Damm und Gartenfelder Straße in Spandau werden in einer Siedlung etwa 2800 Wohnungen energetisch saniert. Bis zum Jahr 2016 werden dort Fassaden und Dächer gedämmt, Balkone ergänzt sowie die Sanitär-, Heizungs- und Elektroanlagen erneuert.

Zwar werden durch die Modernisierung Betriebskosten von 31 Cent pro Monat und Quadratmeter eingespart, die Nettokaltmiete wird sich jedoch von 4,81 Euro auf 5,95 Euro erhöhen. Dem Mieter bleiben am Ende also Mehrkosten von 83 Cent. Die Finanzierung erfolgt laut der zuständigen Wohnungsbaugesellschaft jedoch nicht allein über höhere Mieten. „Die Gewobag finanziert kleine Modernisierungsvorhaben aus eigenen Mitteln, große Modernisierungsprojekte über Kredite und Fördermittel“, sagte Gabriele Mittag von der Gewobag.

Die Neubauaktivitäten der Gesellschaften seien wenig zielgerichtet, kritisiert die Opposition. „Wohnungen für finanzschwache Haushalte sind Mangelware“, sagte Andreas Otto, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Der rot-schwarze Senat sorge nicht dafür, dass auch sozial schwächere Haushalte eine landeseigene Neubauwohnung bezahlen könnten. Das sei eine glatte Fehlsteuerung, kritisierte der Grünen-Abgeordnete.