Bewerbung

Das Olympia-Duell ist eröffnet: Berlin will bescheidene Spiele

Auch Hamburg bewirbt sich. Senat schätzt Ausgaben auf rund 2,4 Milliarden Euro

„Die ganze Welt in unserer Stadt“ – unter diesem Motto will sich Berlin um die Austragung der Olympischen Spiele bewerben. Am Montag stellte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ein erstes Konzept für die Olympischen Sommerspiele und die Paralympics im Jahr 2024 oder 2028 vor. Gemeinsam mit Innensenator Frank Henkel (CDU) präsentierte er im Roten Rathaus die Antworten auf die 13 Fragen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Zeitgleich legte auch Hamburg als Konkurrent Berlins sein Konzept der Öffentlichkeit vor.

„Berlin hat in den vergangenen Jahrzehnten nachgewiesen, dass wir sportliche Großveranstaltungen durchführen können“, sagte Wowereit. „Die Spiele sind eine riesige Chance für die Stadt“, erklärte der Regierende Bürgermeister. Er sei zutiefst davon überzeugt, dass Deutschland mit Berlin deutlich größere Chancen hat, die Spiele zu bekommen, als mit jeder anderen Stadt.

Nach Angaben von Wowereit und Henkel soll der Schwerpunkt auf großer Nachhaltigkeit und Bürgernähe liegen. „Wir wollen eine Rückbesinnung auf die olympische Idee. Die Athletinnen und der Athlet müssen im Mittelpunkt der Bewerbung stehen und nicht Funktionäre oder andere Randerscheinungen.“ Der DOSB will auf seiner Mitgliederversammlung am 6. Dezember darüber entscheiden, mit welcher Stadt sich Deutschland für die Austragung der Spiele und der Paralympics bewirbt.

Die Berliner Bewerbung sieht vor, die Spiele möglichst in bestehenden Sportanlagen durchzuführen. Mit dem Olympiastadion und dem benachbarten Olympiapark, dem Sportforum Hohenschönhausen, den Messehallen in Charlottenburg und den Hangars des ehemaligen Flughafen Tempelhofs bestehen die allermeisten der Anlagen bereits und müssten lediglich olympiatauglich umgebaut werden. Auf dem Flughafen Tegel sollen weitere Anlagen und das olympische Dorf entstehen.

Der Landessportbund Berlin und die Industrie- und Handelskammer begrüßten die Interessenbekundung Berlins. Die Opposition kritisierte dagegen, dass noch wenig Konkretes in dem Konzept zu finden sei. Noch sei kein Finanzkonzept vorgelegt, bemängelten die Grünen, eine mögliche Bewerbung berge riesige Haushaltsrisiken, warnte die Linke. Wowereit betonte, Olympia sei ein Projekt ganz Deutschlands. „Es geht nur gemeinsam. Und der Sport muss das mit der Politik gemeinsam machen. Egal ob Hamburg oder Berlin, das ist jeweils die ganze Republik und das geht auch nur, wenn die ganze Republik dahinter steht.“ Für 2015 kündigte Wowereit eine „Bürgerbefragung“ an. Nötig sei ein eindeutiges Votum der Berliner. Wie hoch die Zustimmungsrate sein müsse, wollte er nicht konkretisieren. In einer Umfrage hatten sich kürzlich 52 Prozent für und 46 Prozent gegen eine Bewerbung ausgesprochen.

Wie teuer die Olympischen Spiele für Berlin würden, ist derzeit unklar. Die Ausgaben für die Sportanlagen bezifferte Wowereit auf zwei Milliarden Euro, unter Einbeziehung der zu erwartenden Inflation auf 2,4 Milliarden. Dazu kommen dem Konzept zufolge Ausgaben für den Bau des Olympischen Dorfs, für die Wettkämpfe und die Sicherheit.