Nahverkehr

Anschlag legt S-Bahn tagelang lahm

Zehntausende Fahrgäste betroffen – Einschränkungen im Südosten dauern bis Sonntag an

Ein vorsätzlich gelegter Brand in einem Kabelschacht an der Elsenbrücke hat am frühen Donnerstagmorgen den S-Bahn-Verkehr in Berlins Südosten lahmgelegt. Betroffen waren die Ringbahn sowie die Linien S8, S85, S9 und S47. Trotz eines schnell eingerichteten Schienenersatzverkehrs mit Bussen kam es zu einem Verkehrschaos, Zehntausende Menschen kamen zu spät zur Arbeit. Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) werden die Einschränkungen für die Fahrgäste noch bis Sonntagvormittag andauern.

Eine Gruppe aus dem linksextremen Milieu bekannte sich am Abend im Internet mit einem Schreiben zu dem Anschlag. Darin beziehen die Täter sich ausdrücklich auf die Flüchtlinge, die derzeit auf dem Dach eines Hostels in Friedrichshain ausharren. „Diejenigen, die heute warten müssen, verlieren ein wenig Zeit“, heißt es darin mit Blick auf die Fahrgäste. Die Flüchtlinge würden im Falle einer Abschiebung jedoch „ihre Freiheit, ihre Gesundheit und ihr Leben“ verlieren.

Ein Passant hatte das Feuer am Donnerstag um kurz nach 4 Uhr bemerkt. Die Flammen, die aus dem abgedeckten Schacht züngelten, konnten schnell gelöscht werden, hieß es bei der Polizei. Unmittelbar danach nahmen Experten des für politische Straftaten zuständigen Polizeilichen Staatsschutzes die Ermittlungen auf. „Im Bauschutt wurde Brandbeschleuniger gefunden, ein technischer Defekt scheidet somit aus“, sagte Polizeisprecher Klaus Schubert. Die Flammen hätten mehrere Kabel beschädigt, die für die Regulierung der Weichen und Signalzeichen zuständig seien. Vom Ostkreuz ausgehend war der Verkehr nach Neukölln, Schönefeld und Baumschulenweg lahmgelegt und so besonders viele Fahrgäste betroffen. Die Ringbahn, die derzeit nur noch über den langen Weg via Gesundbrunnen zwischen Südkreuz und Ostkreuz verkehrt, gehört neben der Stadtbahn zu den am meisten genutzten Trassen in der Stadt.

Die S-Bahn empfahl am Donnerstag zunächst eine Umfahrung mit Bussen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Nach Angaben eines Sprechers wurde ein Ersatzverkehr mit 30 Fahrzeugen eingerichtet – zwischen Ostkreuz und Baumschulenweg und Ostkreuz und Neukölln. Außerdem sind zusätzliche Servicekräfte im Einsatz, um den Fahrgästen zu helfen. Trotzdem, so die S-Bahn, sollten die Berliner in den nächsten Tagen mehr Fahrzeit einplanen. Sie empfiehlt für Fahrgäste aus dem Südosten ab dem heutigen Freitag die Umfahrung mit den Linien S45 und S46 Richtung Südring. An allen Stationen stünden zudem Übergangsmöglichkeiten zu anderen S- und U-Bahn-Linien in Richtung Innenstadt bereit. Die Bahn verurteilte den Brandanschlag. „Dieser Anschlag trifft zuallererst unendlich viele Berliner und Brandenburger, denen auf diese Weise die Fahrt zur Arbeit, zur Schule, zum Ausbildungsplatz, erschwert wird“, sagte Ingulf Leuschel, Bevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin. Erst am Sonntag werde wieder mit Normalbetrieb gerechnet.

Die Berliner S-Bahn kämpft immer wieder mit Vandalismus. Im Mai 2012 war ebenfalls an der Elsenbrücke ein Anschlag verübt worden, die Reparatur dauerte damals vier Tage. Linksextreme hatten ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Die Täter wurden bis heute nicht gefasst.