Produktpiraterie

36 Millionen gefälschte Waren in der EU

Die Behörden stellen immer mehr Plagiate sicher – vor allem bei Kleidung und Parfum. Die meisten Produkte kommen aus Asien

Im vergangenen Jahr sind in der Europäischen Union 35,94 Millionen gefälschte Waren entdeckt worden. Die EU-Zollbehörden haben damit gefälschte Waren im Wert von 760 Millionen Euro beschlagnahmt, allein in Deutschland betrug der Wert 134 Millionen Euro. „Besorgniserregend ist der hohe Anstieg von Fälschungen in den Bereichen Lebensmittel, alkoholische Getränke, Autoersatzteile, Zigaretten und Medikamente“, sagte Doris Möller, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Produkt- und Markenpiraterie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der Berliner Morgenpost.

Ein Problem für die Zollbehörden bedeutet die Zunahme des Internethandels. 72 Prozent der gemeldeten Fälschungsfälle entfielen auf den Postverkehr. „Viele Verbraucher bestellen scheinbare Schnäppchen im Internet und fallen dabei auf Markenfälschungen herein, beziehungsweise nehmen diese sogar in Kauf“, sagte Möller.

Designerbekleidung und Schuhe führen die Liste der meistgefälschten Artikel an. Der deutsche Zoll beschlagnahmte im vergangenen Jahr 9844 Schuhe und 3677 Kleidungsstücke, außerdem 4853 Artikel wie Brillen, Taschen, Uhren und Schmuck. Aus der Türkei gelangen nach Angaben des DIHK vor allem Parfum und Kosmetik nach Deutschland. Eine Million Körperpflegeartikel wurden 2013 beschlagnahmt. Aus Ägypten dringen gefälschte Lebensmittel nach Europa. China steht als Herkunftsland an der Spitze aller Aufgriffe, zwei von drei gefälschten Artikeln stammen von dort. Es folgen Hongkong mit 13 Prozent, die USA (4,3 Prozent), Großbritannien (3 Prozent) und Singapur (2,7). Asien ist Spitzenreiter bei der Herkunft der Plagiate.

Fälschungen sind nach Angaben des DIHK zunehmend ein Metier der organisierten Kriminalität und gehen oft mit Drogen- und Menschenhandel einher. Der DIHK warnt, durch den bewussten Kauf von Fälschungen solche Machenschaften zu unterstützen. Möller betonte zudem: „Produkt- und Markenpiraten schädigen nämlich alle: Unternehmen, Verbraucher, den Staat und die Gesellschaft.“

Eine große Rolle spielt beim Zoll weiterhin die Bekämpfung des Zigarettenschmuggels und der Rauschgiftkriminalität. 2013 entdeckten Fahnder bundesweit 147 Millionen unversteuerte Zigaretten, allein beim Hauptzollamt in Frankfurt (Oder) waren es 10,5 Millionen. Bei den Rauschgiften führt Marihuana mit 2400 Kilogramm die Liste an. Es folgen Kokain (1000 Kilogramm) und Haschisch (725 Kilogramm).

Der Berliner Zoll hatte zuletzt im Juni eine mutmaßliche Bande von Amphetaminherstellern festgenommen. Dabei wurden 105 Kilo des Grundstoffs Apaan und 18 Kilo Koffein sichergestellt. Die Menge reicht nach Angaben des Zolls aus, um 50.000 sogenannte Konsumeinheiten Amphetamin herzustellen. Bei einem der Hauptbeschuldigten handelt es sich um einen ehemaligen Fußball-Hooligan, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich den französischen Polizisten Daniel Nivel angegriffen und ihm schwerste bleibende Verletzungen zugefügt hatte.