Unternehmen

Neuer Karstadt-Besitzer will auch in Berlin investieren

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer glaubt an Perspektive für Warenhäuser in der Hauptstadt

Nach dem Eigentümerwechsel bei der Warenhauskette Karstadt fordern Politiker, Gewerkschaften und Vertreter des Einzelhandels die schnelle Umsetzung einer Sanierungsstrategie. Die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sagte, mit dem neuen Inhaber, der Signa-Holding des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko, zeichne sich eine Perspektive auch für die Berliner Häuser ab. Auch Einzelhandelsexperten zeigten sich optimistisch, dass die Standorte in Berlin erhalten bleiben. „Eine Entwarnung kann es aber nicht geben“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft Verdi in Berlin, Andreas Splanemann.

Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen hatte seine Anteile vergangene Woche für einen Euro an die Signa-Gruppe verkauft. Berggruen war bei der Übernahme des verschuldeten Konzerns 2010 als Retter gefeiert worden, verzichtete nach Einschätzung von Experten aber auf nötige Investitionen und bekam die Probleme nicht in den Griff. Immobilien von Karstadt gehörten bereits der Signa-Gruppe. Am Montag geht nun auch die Kontrolle über das Einzelhandelsgeschäft auf Benko über.

Laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ will Signa unverzüglich mit der Sanierung beginnen. Das Unternehmen wolle investieren, die bundesweit rund 17.000 Mitarbeiter müssten aber auch Einschnitte hinnehmen. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete unter Berufung auf das Umfeld Benkos, dass 15 bis 20 der bundesweit 83 Filialen geschlossen werden könnten. Zuvor werde ihre Rentabilität überprüft. Benko wolle Karstadt mindestens zehn Jahre behalten. Ein Sprecher der Signa-Holding wollte den Bericht nicht kommentieren. Nach den bisherigen Planungen will der Aufsichtsrat am Donnerstag über ein Sanierungskonzept beraten.

In Berlin betreibt der Konzern acht Häuser unter dem Namen Karstadt, dazu kommen das KaDeWe, die Sporthäuser an der Joachimstaler und der Steglitzer Schloßstraße, sowie das Karstadt-Bettenhaus am Kürfürstendamm. In Brandenburg gibt es ein Karstadt-Haus im A10-Center in Wildau. Als gefährdet galten in der Vergangenheit die kleineren Karstadt-Häuser, etwa an der Müllerstraße und am Tempelhofer Damm. Branchenkenner glauben aber, dass die Berliner Standorte gute Chancen haben, nicht geschlossen zu werden. Gefährdet seien Filialen in kleineren Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern.

Senatorin Yzer sagte, die Berliner Karstadt-Häuser hätten eine Magnetfunktion für den Einzelhandel. In Verbindung mit zukunftsorientierten Konzepten könne eine langfristige Perspektive entstehen. „Dies haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Karstadt nach den vielen Verwirrungen der vergangenen Monate verdient“, sagte Yzer. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, sagte, die Berliner Filialen hätten bis zur ersten Insolvenz 2009 schwarze Zahlen geschrieben. „Das bestärkt mich in der Hoffnung, dass die Potenziale genutzt werden können“, sagte Busch-Petersen. Verdi-Sprecher Splanemann forderte, das Sanierungskonzept mit den Mitarbeitern zu gestalten.

Eine erste Umstrukturierung könnte es am Kurfürstendamm geben. Benko, dem die dortige Karstadt-Immobilie bereits zuvor gehörte, plant mit dem Unternehmer Harald Huth, das Haus mit einem neuen Einkaufszentrum zu verbinden. Bestehende benachbarte Geschäfte müssten weichen. Auch das Karstadt-Bettenhaus an der Augsburger und das Parkhaus an der Rankestraße würden abgerissen. Die Pläne dafür hatten Benko und Huth schon vor Benkos Komplettübernahme von Karstadt entwickelt.