Geheimdienste

Der BND hat Hillary Clinton belauscht

USA nutzen Informationen eines enttarnten deutschen Spions

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einem Medienbericht zufolge die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton abgehört. Zudem habe die Bundesregierung angeordnet, einen Nato-Partner auszuspionieren, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag nach gemeinsamen Recherchen mit NDR und WDR. Die Medien beriefen sich auf Unterlagen, die der im Juli verhaftete mutmaßliche Spion im BND an die USA übergeben haben soll. Regierungsinsider hätten dazu erklärt, das Clinton-Gespräch sei nur zufällig aufgefangen worden. Dass die Aufzeichnung nicht sofort vernichtet worden sei, sei eine „Idiotie“ gewesen. Die Bundesregierung lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme unter Hinweis auf das laufende Verfahren gegen den aufgedeckten Spion Markus R. ab. Dieser hat dem Zeitungsbericht zufolge dem US-Geheimdienst CIA auch das Auftragsprofil der Bundesregierung (APB) für den deutschen Geheimdienst übergeben. Darin sei festgelegt, welche Themen für den BND Vorrang haben und welche Länder er ausspionieren soll. Zwar sollen sich die USA nicht darunter befinden, wohl aber ein anderer Nato-Verbündeter. Dem Bericht zufolge haben die USA damit begonnen, die von Markus R. verratenen Informationen im Streit über die amerikanischen Spionage-Aktivitäten in Deutschland zu nutzen. Der Fall Clinton werde dabei als Beleg dafür genommen, dass auch die Bundesrepublik die USA ausspioniert hätten. US-Außenminister John Kerry habe seinen deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier auf den Vorgang angesprochen. Die Bundesregierung hatte sich verärgert über die vom ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden aufgedeckten US-Geheimdienstaktivitäten gezeigt. Demnach sollen die US-Behörden auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört haben.