Verkehr

Hitze und Regen ruinieren Berlins Straßen

Der ADAC fordert eine gründliche Sanierung der Schlaglöcher. Das würde den Senat jedoch mehr als 500Millionen Euro kosten

Die Straßen der Hauptstadt sind in diesem Sommer besonders stark beschädigt. In den vergangenen Wochen haben sich durch starke Hitze und intensive Regenfälle viele Schlaglöcher und Unebenheiten gebildet. „Wir haben in diesem Jahr eine ganz außergewöhnliche Situation“, sagte Jörg Becker, Abteilungsleiter Verkehr beim ADAC Berlin-Brandenburg, am Montag. Der milde Winter und die Hitze in den vergangenen Wochen ruinieren Berlins Straßen.

Normalerweise würden sich Schlaglöcher in der kalten Jahreszeit bilden, durch den Wechsel von Frost und Tauwetter. „Dann werden Bauarbeiten durchgeführt, um die Löcher behelfsmäßig zu stopfen. Diese Flickstellen halten den Sommer über bis zum nächsten Herbst und Winter.“ Im vergangenen Winter seien weniger Schlaglöcher entstanden, die maroden Fahrbahnen mit Rissen und kleinen Asphaltbrocken seien aber geblieben, so der ADAC-Experte.

„Der starke Regen der vergangenen Wochen ist in die bröckelnde Straßenoberfläche eingedrungen und hat diese Brocken ausgespült“, sagte Becker. Durch Risse sei das Wasser bis in den Unterbau der Straße gedrungen und habe den Kies weggeschwemmt. Das Ergebnis seien Fahrbahnunterspülungen, die zu Schlaglöchern führten. „Das ist besonders für Radler und Motorradfahrer gefährlich, die diese Löcher spät erkennen. Sie könnten stürzen oder spontan ausweichen und eine Kollision verursachen.“ Ein weiteres Übel, so der Verkehrsexperte, seien die „Blow ups“, die bei Betonstraßen auftreten. „Es gibt spröde Oberflächen und die schlecht gepflegten Fugen. In die ist Regenwasser eingedrungen, durch die Hitze verdampft und hat den Beton nach oben gedrückt.“ Es komme zu Brüchen in der Fahrbahn. Die gehobenen Betonplatten könnten für Motorräder wie eine Sprungschanze wirken, so Becker. In Berlin habe es mehrere gefährliche Stellen auf der Autobahn A114 in Pankow gegeben. Betroffen seien auch viele Straßen in Marzahn-Hellersdorf.

Der ADAC-Experte fordert eine Abkehr von den kurzfristigen Reparaturen, die nicht lange halten. „Uns ist wichtig, dass man systematisch und grundhaft auf ganzen Straßenabschnitten saniert.“ Einer groben Schätzung zufolge seien in Berlin dafür 500 bis 600 Millionen Euro erforderlich, sagte Becker. Laut Senatsfinanzverwaltung stehen den Berliner Bezirken und dem Land in diesem Jahr insgesamt 82 Millionen Euro für Straßensanierungen zur Verfügung.

Bei einer regelmäßigen Erhaltung der Straßen würden solche Probleme gar nicht erst entstehen, sagte Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg. Alle zehn bis 15 Jahre sollten Straßen überholt und die oberste Schicht erneuert werden. „Dazu braucht man eine übergreifende Planung. Aber die gibt es nach unserer Kenntnis weder in Berlin noch in Brandenburg.“ Forderungen des ADAC und der Bauverbände nach mehr Bautätigkeit seien nicht ungewöhnlich, sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung. Sie räumte jedoch ein, dass es im Juni einen Hitze-Aufbruch auf der A114 gegeben habe, der schnell repariert werden musste. „Das ist in Berlin sonst noch nicht vorgekommen“, sagte Rohland.