Epidemie

Ebola bedroht die Welt

WHO ruft internationalen Notstand aus. 961 Infizierte sind bereits an der Seuche gestorben

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Ebola-Epidemie in Westafrika zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Die Epidemie lasse sich nur mit Hilfe einer weltweiten Mobilisierung bekämpfen, warnte WHO-Chefin Margaret Chan am Freitag nach einer zweitägigen Krisensitzung von Experten. Es ist erst das dritte Mal, dass die WHO einen derartigen Notfall ausruft. Chan sprach vom „größten, ernsthaftesten und komplexesten“ Ebola-Ausbruch seit der Entdeckung des Virus vor fast 40 Jahren. Eine koordinierte internationale Antwort sei nötig, um eine weitere Ausbreitung zu stoppen. Die betroffenen Länder seien dazu allein nicht in der Lage.

Die EU-Kommission kündigte die Freigabe zusätzlicher acht Millionen Euro für die Bekämpfung der Epidemie an. Damit summieren sich die EU-Hilfen im Kampf gegen Ebola seit Jahresbeginn auf fast zwölf Millionen Euro. Zusätzlich kündigte die Kommission die Entsendung eines mobilen Diagnoselabors an.

Die WHO-Experten forderten alle betroffenen Länder auf, die Bevölkerung über den richtigen Umgang mit dem Virus aufzuklären. Außerdem sollten die Staaten die Maßnahmen zur Eindämmung intensivieren, etwa Ausreisende an den Flughäfen und Grenzübergängen auf eine mögliche Ebola-Infektion hin kontrollieren und notfalls die Ausreise verweigern. Allen, die mit Infizierten in Kontakt standen, soll das Reisen untersagt werden.

Weltweite Beschränkungen beim Reiseverkehr oder Handel empfahl das Komitee nicht. Auch stellte es die betroffenen Staaten nicht unter Quarantäne. Allerdings forderte es alle Fluggesellschaften bei Flügen in die betroffene Region zu speziellen Vorsichtsmaßnahmen auf.

Nicht betroffene Staaten wie Deutschland werden von der WHO nur allgemein aufgefordert, sich auf mögliche Ebola-Fälle vorzubereiten. Das sei in Deutschland ohnehin der Fall, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums: „Wir sind gut aufgestellt.“

Bislang hatte die WHO nur 2009 bei der Vogelgrippe in Asien und im Mai nach der Rückkehr der Kinderlähmung in mehreren Staaten den Gesundheitsnotfall ausgerufen. Das Ebola-Virus hat sich seit Anfang des Jahres von Guinea aus in den Nachbarstaaten Sierra Leone und Liberia ausgebreitet. Auch Nigeria hat am Freitag den nationalen Notstand erklärt.

Nach WHO-Angaben vom Freitag starben bislang mindestens 961 Menschen an dem durch Körperflüssigkeiten übertragbaren Erreger, fast 1800 Menschen infizierten sich.

US-Gesundheitsbehörden warnten, eine weitere Ausbreitung von Ebola in Westafrika sei „unvermeidbar“. Der Einsatzleiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen, Bart Janssens, sagte, das Virus sei „außer Kontrolle“.

In den USA werden zwei Ebola-Patienten mit dem experimentellen Serum ZMapp behandelt. Ihr Zustand hat sich nach Angaben von Ärzten verbessert. Die US-Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA lockerte Beschränkungen für ein noch nicht zugelassenes Medikament gegen Ebola. Wie die kanadische Firma Tekmira mitteilte, könnte das Mittel TKM-Ebola damit an Patienten in Westafrika getestet werden. Der Generalsekretär des Weltärztebunds, Otmar Kloiber, verteidigte die Entscheidung. „Wir haben nichts anderes“, sagte Kloiber der „taz“. „Bei der Aussichtslosigkeit der Situation ist nichts dagegen einzuwenden, sofern die Patienten oder ihre Angehörigen einwilligen.“

Unterdessen haben die griechischen Behörden am Freitag einen Ebola-Verdachtsfall gemeldet. Bei dem Patienten handele es sich um einen Architekten, der aus Nigeria zurückgekehrt sei, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Der Mann werde in einem Athener Krankenhaus untersucht. Zu seinem Zustand machte der Sprecher keine Angaben. Ein weiterer Patient mit Ebola-Symptomen wurde nach Angaben des Ministeriums am Donnerstag nach seiner Rückkehr aus Nigeria untersucht. Es habe sich aber herausgestellt, dass er an Malaria erkrankt sei.