Epedemie

Ebola könnte Gefahr für Europa werden

Berliner Epidemiologe warnt vor Verharmlosung. Zahl der Toten in Westafrika steigt

Die explosive Verbreitung des Ebola-Virus in Westafrika könnte auch zur Gefahr für Europa werden. „Der aktuelle Ausbruch dieser Epidemie hat eine völlig andere Dimension als je zuvor. Denn die Krankheit hat jetzt auch die Hauptstädte erreicht“, sagte der Berliner Arzt Matthias Borchert, Epidemiologe am Institut für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité. „Wir haben dort in Westafrika eine ungeheure Dynamik, die mit den bisherigen Epidemien nicht vergleichbar ist“, so Borchert, der kürzlich in Guinea war.

Seit Monaten breitet sich ein besonders aggressiver Ebola-Stamm in Westafrika aus. Mehr als 1300 Menschen wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO bisher infiziert, 729 von ihnen starben. Betroffen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone, hinzu kommt ein erster Todesfall in Nigeria.

Die Lage sei „prekär“, erklärte die WHO und kündigte an, mit westafrikanischen Staaten ein Notfallprogramm in Höhe von 100 Millionen Dollar (74,8 Millionen Euro) aufzulegen. Das Auswärtige Amt rät seit Donnerstag von verzichtbaren Reisen nach Guinea, Sierra Leone und Liberia ab. Mediziner Borchert betonte, angesichts der enorm steigenden Infektionszahlen seien jetzt nicht nur Menschen entlegener Gebiete, sondern auch solche betroffen, die sich einen Flug leisten könnten. Damit sei die Gefahr gegeben, dass das Virus nach Europa gelangen könne. Für Berlin gebe es im Moment jedoch keine direkte Gefahr.

Beim Berliner Robert Koch-Institut (RKI) gibt man sich indes gelassen. „Von Seiten der Wissenschaftler wird die Gefahr, dass das Virus nach Europa eingeschleppt wird, nach wie vor als äußerst unwahrscheinlich eingeschätzt“, sagt Sprecherin Susanne Glasmacher.