Studie

Neue Studie: Jeder achte junge Berliner hat ein Suchtproblem

Stadt hat deutschlandweit die meisten Kiffer. Jugendliche klagen über hohen Leistungsdruck

Die Zahl der Kiffer ist in Berlin deutschlandweit am höchsten: Nach den Ergebnissen einer neuen Studie haben mehr als zwei Drittel der 413 befragten Berliner zwischen 16 und 27 Jahren schon einmal Cannabis konsumiert (69 Prozent). Fast jeder Dritte aus dieser Gruppe greift sogar mehrmals in der Woche oder aber täglich zum Joint, belegt die am Donnerstag vorgestellte Berliner Studie „Jugend – Drogen – Hintergründe“ der Fachstelle für Suchtprävention und der Alice-Salomon-Hochschule (ASH).

Auf Platz zwei bei den illegalen Substanzen stehen die Amphetamine, also leistungssteigernde Drogen (26 Prozent). Deutlich höher liegen die Werte bei den legalen Drogen wie Alkohol (96 Prozent) und Tabak (73 Prozent). „Bei jedem achten Befragten sind Merkmale eines problematischen Substanzkonsums zu erkennen“, heißt es in der Studie. Insbesondere die Cannabis-Konsumenten neigen zu einem problematischen Verhalten. In diese Kategorie gehört beispielsweise, wer mehrmals pro Woche kifft und schon von anderen auf seinen Cannabis-Konsum angesprochen worden ist.

Als „erschreckend“ bewertet es Kerstin Jüngling, Geschäftsführerin der Fachstelle für Suchtprävention, dass sich jeder zweite junge Berliner unter enormem Leistungsdruck sieht und von Alltäglichem oft überfordert ist – seien es schulische Pflichten oder Anforderungen der Eltern. Dazu passen die Gründe, die für den Konsum von Alkohol und illegalen Drogen genannt werden. Während die unter 18-Jährigen vor allem Gruppenzwang angeben, sagen die Befragten zwischen 18 und 20 Jahren, dass sie Problemen ausweichen wollten. „Psychoaktive Substanzen passen zu diesen Tendenzen und werden genutzt, um Leistung in allen Lebenslagen – in Schule und Beruf, auf der Party oder beim Entspannen – zu optimieren“, sagte Kerstin Jüngling. Gerade die Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen sieht die Studie als besonders gefährdet an, da sie den höchsten Konsum aufweist.

Jeder fünfte Studierende kifft mehrmals pro Woche bis täglich, ähnlich sieht es bei Berufsschülern und Auszubildenden aus. Die Autoren der Studie stellen außerdem fest: „Je intensiver Cannabis konsumiert wird, desto häufiger greifen die Befragten auch auf andere Substanzen zurück oder umgekehrt.“ Als Konsequenz aus der Studie fordert Heinz Cornel, Professor für Jugend- und Strafrecht an der Alice-Salomon-Hochschule, die Entwicklung differenzierter Präventionsprogramme, beispielsweise für Jugendliche verschiedener Altersgruppen oder Religionszugehörigkeit.

Für die Drogenbeauftragte des Landes Berlin, Christine Köhler-Azara, bestätigt die Studie, wie wichtig Prävention ist: „Eine reine Informationsvermittlung reicht nicht aus.“ Zudem werde deutlich, dass man sich mit der Lebenswelt junger Menschen auseinandersetzen müsse, um zu verstehen, warum es bei vielen eine Drogenaffinität gebe. Der Senat stellt jährlich knapp eine Million Euro für Suchtprävention bereit, davon entfallen allein 500.000 Euro auf die Fachstelle für Suchtprävention.

Ermittlungen gegen Politiker

In der SPD herrscht unterdessen Entsetzen über den Drogenverdacht gegen einen SPD-Bundestagsabgeordneten. Der Innenpolitiker Michael Hartmann soll mindestens dreimal Crystal Meth gekauft haben – in einer Gesamtmenge von weniger als fünf Gramm. Die Ermittler seien offenbar bei der Überwachung der Kommunikation einer Dealerin auf Hartmann gestoßen, berichtet „Spiegel Online“. In Hartmanns Berliner Wohnung fanden die Ermittler bei ihrer Durchsuchung am Mittwoch allerdings keine Drogen, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, mit.