Ausbeutung

SOS im Billigkleid

Kunden von Primark finden verstörende Botschaften – Hilferufe?

Es dauert nur noch wenige Tage, da eröffnet die irische Modekette Primark ihre neue Filiale am Alexanderplatz. Es wird das zweite Primark-Kaufhaus in Berlin und wie bei der Filiale in Steglitz werden sie Schlange stehen, die jungen Mädchen, um ein ganzes Outfit für ein Taschengeld zu kaufen: das T-Shirt für vier Euro, die Hose für 13,50. Die Preise sind verlockend, na klar, und die Sachen hip, das Leben ist ein Festival, wirbt Primark derzeit im Internet.

Aber billig hat eben oft seinen Preis. Das ist die bittere, aber auch bekannte Wahrheit, vor allem seit marode Hallen im Niedriglohnland Bangladesch über den Köpfen Tausender Näherinnen zusammengebrochen sind. Bauchschmerzen verursachen sie deshalb, die Hilfeschreie, die Primark-Kundinnen in Großbritannien gerade in ihrer Kleidung finden. Ein kleines Etikett nur, eingenäht in einem Kleid, darauf ist zu lesen: „Forced to work exhausting hours“ – zur Arbeit bis zur Erschöpfung gezwungen. Und auf einem Zettel, der in einer Hose gefunden wurde, steht geschrieben, die Näher müssten „wie Ochsen“ arbeiten. Und: „SOS! SOS! SOS!“.

Primark reagiert, will die Vorfälle prüfen – hält aber für denkbar, dass die Botschaften gar nicht von Arbeitern stammen. Genau weiß man es nicht. Laut Statistik kann fast jeder Zweite in Bangladesch nicht lesen und schreiben. Auch Menschenrechtler oder gar die Konkurrenz könnten die Schildchen einfach nachträglich an die Kleidung angebracht haben. Möglich. Wo die Hilfeschreie genau herkommen, bleibt ein Rätsel. Aber ist das eigentlich wichtig? Die internationale Debatte jedenfalls ist längst wieder da. Über Arbeitsbedingungen. Aber auch über die Folgen unserer Konsumkultur.