Zensur

Im falschen Film

Warum Nordkoreas Regierung eine US-Komödie verhindern will

Zensur ist eine feine Sache, mag man sich in Pjöngjang dieser Tage denken. Leider reichen die entsprechenden Möglichkeiten des kommunistischen Regimes in Nordkorea aber nicht über die Grenzen der Volksrepublik hinaus.

Die nordkoreanische Führung versucht derzeit, einen US-Film über ein Mordkomplott gegen Machthaber Kim Jong-un zu verhindern. Sollte die US-Regierung den für Oktober geplanten Kinostart nicht stoppen, verstünde Nordkorea dies als „Kriegshandlung, die wir niemals tolerieren würden“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Mittwoch. Der Film sei „ein mutwilliger Akt des Terrors“ und das Werk von „verbrecherischen Filmemachern“. Grund der scharfen Reaktion ist der Streifen „The Interview“. Darin bekommen ein Talkmaster und sein Produzent ein Exklusivinterview mit dem Diktator und werden dann vom Geheimdienst CIA angeworben, ihn zu ermorden. In dem Trailer des Films wird Nordkorea als „weltweit gefährlichstes Land“ bezeichnet. Die Rolle Kims übernimmt der US-koreanische Schauspieler Randall Park. Er spielt den Machthaber als übergewichtigen, an Zigarren kauenden und streng bewachten Diktator.

Kims Ende 2011 verstorbener Vater Kim Jong-il war ein ausgesprochener Kinofan. Er ließ sogar eigens den südkoreanischen Regisseur und Produzenten Shin Sang-ok 1978 nach Nordkorea entführen, wo dieser jahrelang Filme für Kim drehte, bevor er fliehen konnte. Wie es um die Kinoleidenschaft Kim Jong-uns bestellt ist, ist allerdings nicht bekannt.