Bildung

Berliner Schulen suchen verzweifelt Deutschlehrer

Der Personalmangel erreicht die Kernfächer. Auch Mathematik und Sport sind betroffen

Germanistik und Sport auf Lehramt zu studieren galt lange nicht gerade als eine glänzende Idee für eine gesicherte berufliche Zukunft. Das hat sich komplett geändert. In keinem Fach werden in Berlin in den kommenden Jahren mehr Lehrer gesucht als in Deutsch. 2300 Germanisten müssen in den nächsten acht Jahren an Berlins öffentlichen Schulen eingestellt werden, um den Bedarf zu befriedigen, der sich aus steigenden Schülerzahlen und der Pensionierungswelle an den Schulen ergibt. Jeder sechste der 14.000 Lehrkräfte, die in Berlin gebraucht werden, muss ein Experte für Rechtschreibung und Goethe sein.

Nach der neuesten Lehrerbedarfsplanung der Senatsverwaltung für Bildung wird die Personaldecke keineswegs nur in den oft als Mangelfächer wahrgenommenen Disziplinen Musik oder Physik sehr dünn. Mehr als die Hälfte der neuen Pädagogen werden in nur vier Fächern gebraucht. Nach Deutsch folgt die Mathematik, wo die Beamten von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen Neueinstellungsbedarf von 2200 Vollzeitkräften prognostizieren. Besonders gesucht sind auch Fachkräfte für Sonderpädagogische Förderung (1460) und Sport (1340). Die Senatsverwaltung räumt ein, dass schon heute Personal in diesen Kernfächern fehlt: Bereits im laufenden Schuljahr 2013/2014 hätten diese Fächer einen „kritischen Wert“ angenommen. Die „unzureichende Ausstattungslage“ im Basisjahr führe zu einem „zwangsläufig größeren Defizit in den Folgejahren“.

Deutlich werden die Probleme auch, wenn man den Bedarf mit den möglichen neuen Lehrkräften vergleicht, die Berlins Universitäten mit dem Lehramtsabschluss verlassen. In Sprach- und Kulturwissenschaften, worunter Germanisten und auch die als Englischlehrer sehr gefragten Anglisten zählen, machten nach Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg 2013 insgesamt 792 junge Menschen ihren Lehrerabschluss. Hier dürften auch für die 3000 Sprach- und Kulturwissenschaftsabsolventen mit Masterabschluss Chancen für einen Quereinstieg an Berlins Schulen liegen. Dramatisch ist das Missverhältnis bei den Sportlern. 78 Männer und Frauen gingen als studierte Sportlehrer von den Universitäten ab.

Notstand droht auch in Mathematik, Biologie, Physik, Chemie und dem Naturwissenschaftsunterricht an den Grundschulen. Hier werden in den nächsten Jahren 1700 Fachlehrer gebraucht. Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten der Berliner Unis entließen 2013 nur 278 künftige Mathe- oder Naturwissenschaftslehrer auf den Arbeitsmarkt.