Immobilien

Wohnungsmarkt: Nur noch zwei Prozent Leerstand in Berlin

Auch am Stadtrand wird der Wohnraum knapp. Verband wirbt für Tempelhof-Bebauung

Wohnungssuchende haben es längst zu spüren bekommen: Freie Mietwohnungen sind in Berlin rar geworden. Und selbst wer bereit ist, an den Stadtrand zu ziehen, stellt schnell fest: Die Wohnungsknappheit betrifft inzwischen nicht nur die begehrten Innenstadtlagen, sondern hat auch die Außenbezirke erreicht. Diesen Eindruck bestätigt jetzt auch die aktuelle Leerstandsbilanz, die der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) am Donnerstag vorlegte. Demnach ist die Anzahl freier Wohnungen bei den Berliner BBU-Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr auf durchschnittlich zwei Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1995.

Der BBU-Verband stellte die Zahlen bewusst am Donnerstag vor, wenige Tage vor dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld. Er gehört dem „Aktionsbündnis Tempelhofer Feld“ an, das sich für die geplante Randbebauung des ehemaligen Flughafenareals stark macht. „Heute ist ein guter Zeitpunkt, um die neuesten Leerstandszahlen zu präsentieren“, sagte BBU-Chefin Maren Kern. Sie hält den Bau neuer Wohnungen in Berlin für dringend erforderlich.

Auffällig ist besonders der deutliche Rückgang des Wohnungsleerstands in Marzahn-Hellersdorf: Mit 1,6 Prozent Leerstand liegt der Altbezirk Hellersdorf mittlerweile auf dem Niveau von Kreuzberg. In Charlottenburg und Friedrichshain (je 1,1 Prozent Leerstand), Lichtenberg und Köpenick (je 1,2 Prozent) ist die Zahl frei verfügbarer Wohnungen am geringsten. Nennenswerte Leerstände über drei Prozent gibt es nur noch in Zehlendorf (3,6 Prozent), Schöneberg (3,3 Prozent) und Reinickendorf (3,1 Prozent). „Wenige Tage vor der Abstimmung appellieren wir mit Blick auf diese Zahlen noch einmal an alle Berliner, sich Tragweite und Bedeutung ihrer Entscheidung für Wohnen und Entwicklung in der Stadt vor Augen zu halten“, sagte Kern.

Die rund 700.000 Wohnungen der 143 Berliner BBU-Mitgliedsunternehmen entsprechen gut 40 Prozent des Berliner Mietwohnungsbestandes. Von diesen stünden aktuell lediglich knapp 13.000 leer, sagte Verbandschefin Kern. Aber rund 2500 dieser Wohnungen stünden eigentlich nicht zur Verfügung, weil sie unattraktiv und deshalb schwer zu vermieten seien. Die anderen 10.500 Wohnungen seien frei, weil gerade der Mieter wechsele (28 Prozent) oder weil saniert werde (30,6 Prozent). „Damit können unsere Mitgliedsunternehmen ein realistisches Bild vom gesamten Berliner Mietwohnungsmarkt geben“, so Kern. Dieser zeige deutlich, wie dringend Berlin auf neue Wohnungen angewiesen sei. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir einen Bevölkerungszugang von 100.000 Menschen verzeichnet, dieser Trend wird weiter anhalten“, sagte Kern.

Das Abgeordnetenhaus debattierte am Donnerstag nochmals über den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf signalisierte den Kritikern der Randbebauung überraschend Verhandlungsbereitschaft. „Der Masterplan ist eine Grundlage des Senats. Aber er ist nicht in Stein gemeißelt“, sagte Graf. Es sei klar, dass die Planungen mit der Stadtgesellschaft und auch im Abgeordnetenhaus diskutiert würden. „Es kann und wird auch Veränderungen am Masterplan geben“, sagte Graf. Am Sonntag müssen die Berliner entscheiden, ob das Tempelhofer Feld völlig frei bleiben soll – wie es die Bürgerinitiative fordert. Auch die Grünen und die Linken sind für die Freifläche. SPD und CDU plädieren für den Masterplan mit neuen Wohnungen und Gewerberäumen an den Rändern des Feldes.