Türkei

Ohrfeige vom Ministerpräsidenten?

Mit Tränengas ist die türkische Polizei gegen Tausende Demonstranten am Ort des Bergwerksunglücks in Soma vorgegangen.

Die Sicherheitskräfte feuerten am Freitag Tränengas und Gummimantelgeschosse auf rund 10.000 Menschen, die den Rücktritt der Regierung forderten. Nach dem schwersten Bergwerksunglück in der Geschichte der Türkei mit vermutlich mehr als 300 Toten werfen Kritiker der Regierung vor, den wirtschaftlichen Aufschwung auf Kosten der Arbeitssicherheit vorangetrieben zu haben.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geriet wegen seines Umgangs mit dem Unglück in die Kritik. So soll er bei seinem Besuch in Soma auf zwei Betroffene losgegangen sein. Eines der Opfer sei eine 15-Jährige gewesen, die bei dem Unglück ihren Vater verloren habe, das andere ein Bergmann. Der Bergmann Taner Kuruca bestätigte den Vorfall. Ein Sprecher von Erdogan betonte, es gebe keine Beweise für eine angebliche Ohrfeige. Derweil suchten Rettungskräfte nach den letzten 18 Verschütteten. Der Hohe Rat der Richter und Staatsanwälte als oberstes Aufsichtsgremium hat 28 Ankläger auf die Suche nach der Unglücksursache angesetzt.